Drei Zeiten, Lager planlos: Spediteure sollen trotzdem lächeln!

SPEDITION & REALITÄT

Der ganz normale Wahnsinn im Speditionsalltag? Das ist noch untertrieben. Es ist ein täglicher Überlebenskampf zwischen glühenden Telefonleitungen, physisch unmöglichen Lieferterminen und der ewigen Frage: Wo ist eigentlich diese Palette?

Deutschland • transportzentrum.de Redaktion

Montagmorgen, 7:30 Uhr bei „Rasche & Rothenbaum Logistik GmbH“ in Gütersloh. Das Telefon von Disponent Mario klingelt bereits, als er den ersten Schluck Kaffee nimmt. Herr Schmitz von „Fix & Fertig Möbel“ ist dran. Er will wissen, wann die Lieferung mit den hochsensiblen, aber noch gar nicht produzierten Buchenfurnierplatten ankommt. Marios Kollegin hatte ihm am Freitag „spätestens Dienstagmittag“ versprochen, der Praktikant gestern „Montagabend, ganz sicher“, und der Chef persönlich am Telefon „Ach, das machen wir noch heute, Herr Schmitz! Ist doch kein Problem!“

Mario checkt den Dispoplan. Die Buchenfurnierplatten stehen noch im Lager von „Fix & Fertig Möbel“. Seit Freitag. Unverpackt. Aber Herr Schmitz ist ungeduldig. „Wir brauchen das! Sofort! Haben Sie keine Express-Option? Ich zahle auch das Doppelte, wenn es bis elf Uhr hier ist!“ Mario atmet tief durch. Express-Option. Klar. Mit einem LKW, der noch gar nicht beladen ist, von einem Ort, an dem die Ware noch gar nicht fertig ist, zu einem Kunden, der keine Rampe freihat. Der ganz normale Speditions-Zaubertrick.

Zitat des Tages

„Klar, pünktlich. Wenn das Ziel nicht nur ein Ort, sondern auch ein Geisteszustand ist.“

Der Lager-Blues und die ewige Rampe

Während Mario am Telefon jongliert, ruft Lagerleiter Frank aus der Halle an. „Mario, dieser Auftrag von Fix & Fertig Möbel, der soll heute raus? Haben Sie uns mal Bescheid gesagt? Hier steht noch nichts bereit. Und die Rampe 3 ist dicht. Seit drei Stunden. Weil der Kollege Müller von ‘Spezialtransporte’ seinen Überlängen-LKW nicht rangiert kriegt. Angeblich ist er aber ‚gleich fertig‘.“

Der Fahrer, Karl-Heinz, der die Furnierplatten theoretisch liefern sollte, steht derweil irgendwo bei Leipzig im Stau. Sein Zeitfenster? Ein Wunschtraum aus längst vergangenen Zeiten. Der Parkplatz, den er letzte Nacht nach Stunden der Suche auf einem Feldweg fand, hat ihm ein Ticket für 30 Euro beschert. Maut kommt obendrauf. Und der Dieselpreis? Der hat heute Morgen wieder einen Freudensprung gemacht, direkt in die ohnehin schon schmale Marge.

Wenn der Chef von „Früher“ spricht

Kurz vor Mittag ruft der Chef an. „Mario, wie läuft das mit den Fix & Fertig Möbeln? Herr Schmitz hat mich persönlich angerufen. Ich hab ihm gesagt, das machen wir noch heute. Wissen Sie, früher, da haben wir das auch noch irgendwie hingekriegt. Da war der Kunde König. Und die Fahrer, die haben auch einfach mal durchgezogen.“ Mario nickt in den Hörer. Ja, früher. Als man noch Diesel für 80 Cent tankte und Parkplätze an jeder Ecke wuchsen.

Das Palettenkonto ist übrigens auch wieder ein Mysterium. Laut Papier sind alle Paletten von „Karton & Co“ zurück. Im Lager fehlen aber 15. Standgeld für die gestrige Abladeverzögerung von vier Stunden bei „Beton & Stahl GmbH“? Das wird man wohl wieder zähneknirschend unter „Service“ verbuchen müssen. Oder einfach vergessen. Ist ja nur Geld. Und Nerven.

Branchenfazit

In der Spedition bewegen wir nicht nur Ware, sondern auch die Grenzen der menschlichen Geduld. Und manchmal ein paar Paletten.

Fazit, unromantisch ehrlich: Am Ende des Tages wird Mario trotzdem freundlich bleiben, pünktlich liefern (irgendwann), die Logik des Kunden bewundern und sich fragen, ob sein Job nicht doch eine versteckte Weiterbildung in Telepathie und Zeitreisen ist. Morgen früh klingelt das Telefon dann wieder. Und der Wahnsinn geht weiter.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.