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Blitz & Pleite Co. KG entdeckt den wahren Gewinn der Transportbranche: Nicht fahren. Verkaufen. Und zwar teuer.
Es gibt Tage, da fragt man sich in der Spedition: Warum fahren wir eigentlich noch? Diesel teuer, Maut teuer, Fahrer knapp, Reifen blank, Kunde nervös, Rampe voll. Am Ende bleibt vom Transportgewinn oft weniger übrig als vom Automatenkaffee nach der dritten Aufgussrunde.
Bei der Blitz & Pleite Co. KG hat man daraus nun Konsequenzen gezogen. Nicht etwa mit besserer Kalkulation, weniger Leerfahrten oder gesundem Menschenverstand. Nein. Dafür wurden Unternehmensberater geholt. Und wenn Unternehmensberater kommen, wird aus einem Problem kein Problem mehr, sondern ein mehrstufiger Transformationsprozess mit skalierbarer Ertragsfantasie.
Die neue Strategie des Hauses lautet: schnellere Rundenzeiten, höhere Auslastung, gebrauchte LKW fast zum Neupreis verkaufen. Kurz gesagt: Wenn der Transport nichts mehr bringt, muss wenigstens der Käufer des alten LKW ordentlich was bringen.
Zitat des Tages
„Wir haben zu lange versucht, mit Transport Geld zu verdienen. Das war rückblickend ein schwerer strategischer Fehler.“ — Geschäftsführer Blitz & Pleite Co. KG
Für die neue operative Exzellenz wurde niemand Geringeres verpflichtet als der ehemalige Rennfahrer Basti Green brain washed Veddl. Er soll die Fahrer von Blitz & Pleite Co. KG trainieren, damit sie auf dem Berliner Ring und dem Münchner Ring bessere Rundenzeiten erzielen.
Lenkzeit heißt intern inzwischen nicht mehr Lenkzeit, sondern Performance-Fenster. Tourenpläne wurden durch Rundenstrategien ersetzt. Der Stau wird nicht mehr als Stau bezeichnet, sondern als urbanes Hochlastfeld mit Überholmöglichkeit nach Gefühl.
Basti Green brain washed Veddl erklärt seine Methode gewohnt bescheiden:
Basti Green brain washed Veddl
„Ein LKW ist nicht langsam. Er wurde nur jahrzehntelang falsch motiviert.“
Vor allem der Berliner Ring gilt als neue Teststrecke. Dort sollen die Fahrer lernen, wie man mit 40 Tonnen Gesamtgewicht mental eine Ideallinie findet, obwohl vor einem ein Sprinter ohne Blinker die Realität neu sortiert.
Basti Green brain washed Veddl
„Der Berliner Ring ist kein Hindernis. Er ist eine Einladung zur charakterbildenden Kurvenarbeit.“
Auf dem Münchner Ring wird bereits mit Boxenstopp-Simulation gearbeitet. Tanken heißt dort nicht mehr Tanken, sondern energetisches Nachladen. Der Fahrer bekommt keine Pause, sondern ein Regenerationsfenster mit Zapfpistolenbindung.
Nur in den Mannheimer Quadraten ist das Konzept bisher gescheitert. Ein Fahrer soll dort dreimal an derselben Bäckerei vorbeigefahren sein, zwei Touren später aber behauptet haben, er sei eigentlich schon in Ludwigshafen gewesen. Die Dispo konnte das nicht bestätigen, wollte aber auch nicht widersprechen.
TRANSPORTNETZ.DE: Herr Geschäftsführer, stimmt es, dass Sie mit Transport kein Geld mehr verdienen wollen?
Blitz & Pleite Co. KG: Wollen schon. Können ist das Problem. Wenn ich Diesel, Maut, Fahrerlohn, Versicherung, Reifen, Werkstatt und Rampenstandzeit zusammenrechne, bleibt manchmal nur noch der Pfandbon aus dem Fahrerhaus.
TRANSPORTNETZ.DE: Deshalb also Unternehmensberater?
Blitz & Pleite Co. KG: Genau. Die haben sofort erkannt, dass unser Problem nicht die Kosten sind, sondern unsere Haltung. Früher nannten wir es Verlust. Heute nennen wir es Investition in Unsicherheit.
TRANSPORTNETZ.DE: Was bringt ein Rennfahrertraining für LKW-Fahrer?
Blitz & Pleite Co. KG: Geschwindigkeit, Motivation und schöne Folien. Wenn ein Fahrer auf dem Berliner Ring zwei Minuten schneller ist, können wir intern von Effizienzsprung sprechen. Ob der Kunde das merkt, ist zweitrangig.
TRANSPORTNETZ.DE: Und warum der Münchner Ring?
Blitz & Pleite Co. KG: München klingt automatisch teuer. Wenn man dort eine Runde schafft, kann man sie auch hochwertiger abrechnen. Zumindest emotional.
TRANSPORTNETZ.DE: Die Mannheimer Quadrate liefen aber nicht gut?
Blitz & Pleite Co. KG: Mannheim ist kein Straßennetz. Mannheim ist eine Prüfung der inneren Stabilität. Wer dort mit Sattelzug reinfährt, kommt entweder geläutert zurück oder gar nicht.
TRANSPORTNETZ.DE: Kommen wir zur zweiten Säule: gebrauchte LKW. Sie wollen Fahrzeuge mit über einer Million Kilometer fast zum Neupreis verkaufen?
Blitz & Pleite Co. KG: Fast ist wichtig. Wir sind ja keine Räuber. Wir sind Unternehmer. Der Unterschied steht auf dem Briefpapier.
TRANSPORTNETZ.DE: Aber ein LKW mit 1.000.000 Kilometern ist doch stark gebraucht.
Blitz & Pleite Co. KG: Das ist die alte Sprache. Wir sagen: langstreckenerprobt, charakterstark, europaerfahren. Der LKW hat mehr gesehen als mancher Bereichsleiter.
TRANSPORTNETZ.DE: Und was soll der Käufer dabei fühlen?
Blitz & Pleite Co. KG: Nestwärme. Ganz wichtig. Der Käufer soll das Gefühl haben, gut aufgehoben zu sein, während er über den Tisch gezogen wird. Ohne Emotion verkauft man heute nichts mehr.
Für die Vermarktung der gebrauchten LKW hat sich Blitz & Pleite Co. KG prominente Unterstützung geholt: Ralle Schlappenflicker bekannt aus der Werbung Wir ziehen dich übern Tisch. Ein Mann, der im Gebrauchtgeschäft als Visionär gilt, weil er auch einen Motorschaden noch als „akustische Individualität“ beschreiben kann.
Ralle Schlappenflicker bekannt aus der Werbung Wir ziehen dich übern Tisch
„Eine Million Kilometer sind kein Makel. Das sind eine Million Möglichkeiten.“
Sein Verkaufskonzept ist einfach: Der Käufer darf den Preis nicht verstehen. Er muss ihn fühlen. Am besten bei warmem Kaffee, fester Hand auf der Schulter und dem Satz: „Den hätten wir fast selbst behalten.“
Ralle Schlappenflicker bekannt aus der Werbung Wir ziehen dich übern Tisch
„Wenn der Kunde nach dem Kauf noch lächelt, war der Preis vermutlich zu niedrig.“
Die Verkaufsanzeigen wurden inzwischen komplett überarbeitet. Niemand spricht mehr von Rost. Das heißt jetzt sichtbare Betriebserfahrung. Ölverlust wird als aktive Schmierstoffkommunikation beschrieben. Eine müde Kupplung ist kein Mangel, sondern ein direktes Fahrerlebnis mit ehrlicher Rückmeldung.
Auch der Kilometerstand wird kreativ behandelt. Ein LKW mit 1.134.000 Kilometern ist nicht alt. Er ist langfristig bewährt. Ein Fahrzeug, das morgens nur nach gutem Zureden anspringt, hat kein Startproblem, sondern charakterstarkes Kaltstartverhalten.
Besonders beliebt ist das neue Premium-Paket „Fast wie neu – nur ehrlicher verschlissen“. Enthalten sind eine Innenraumreinigung, ein Duftbaum „Neuwagen 2009“, eine Mappe mit ausgewählten Werkstattrechnungen und ein professionell formulierter Satz zur Laufleistung: „Der Kilometerstand dokumentiert den erfolgreichen Einsatz im europäischen Fernverkehr.“
Der große Durchbruch ist bislang allerdings ausgeblieben. Die Fahrer sind nach mehreren Ringtrainings zwar wacher, aber nicht unbedingt glücklicher. Ein Interessent für einen gebrauchten Sattelzug mit 1,2 Millionen Kilometern soll nach dem Preisangebot nur gefragt haben: „Ist da wenigstens ein neuer LKW dabei?“
Die Unternehmensberater sehen darin keinen Rückschlag. Im Gegenteil. Laut Abschlusspräsentation befindet sich Blitz & Pleite Co. KG aktuell in einer sensiblen Marktgewöhnungsphase. Früher hätte man gesagt: Es kauft halt keiner. Aber das klingt natürlich weniger abrechnungsfähig.
Intern wird bereits an der nächsten Stufe gearbeitet. Geplant sind Zertifikate für Altfahrzeuge, die trotz Laufleistung noch geradeaus fahren. Außerdem soll jedes Fahrzeug eine eigene Geschichte bekommen. Arbeitstitel: „Dieser LKW kennt Europa. Und bald dein Konto.“
Branchenfazit
Wenn man aus roten Zahlen eine Strategie macht, aus alten LKW Premiumware und aus Stau eine Rundenzeit, ist man entweder genial — oder sehr gut beraten worden.
Fazit, unromantisch ehrlich: Blitz & Pleite Co. KG hat erkannt, was viele in der Transportbranche längst ahnen: Mit ehrlicher Arbeit wird es eng, mit guter Vermarktung geht immer noch was. Ob der Plan aufgeht, ist offen. Aber eines steht fest: Wer einen Millionen-Kilometer-LKW fast zum Neupreis verkaufen will, braucht keine Verkaufsanzeige. Er braucht Mut, Kaffee und einen Käufer mit sehr viel Nestwärmebedarf.
Satire-Hinweis: Dieser Beitrag ist frei erfunden, überzeichnet und satirisch gemeint. Ähnlichkeiten mit echten Speditionen, Beratern, Fahrern, Verkäufern oder Gebraucht-LKW mit siebenstelliger Laufleistung wären natürlich reiner Zufall — aber vermutlich nicht völlig unrealistisch.