Geheimer Dieselbonus: Abkassieren mit leeren Lastern!


Ein Geheimpapier aus den Tiefen einer fiktiven Bundesbehörde sorgt für Schnappatmung in der Transportbranche. Wenn wahr wird, was in dem Entwurf namens „Aktion Flotter Auspuff“ steht, bricht für Spediteure ein goldenes Zeitalter an. Der Staat plant demnach einen direkten Zuschuss pro verbranntem Liter Kraftstoff. In den Chefetagen wird bereits fleißig gerechnet – und plötzlich stellt sich die revolutionäre Frage: Warum überhaupt noch Ladung mitnehmen?

Uns wurde ein brisantes Dokument zugespielt. Absender des Entwurfs ist das völlig fiktive „Bundeskomitee für thermische Entlastung“ (BTE). Das zweiseitige Papier, das eigentlich im Panzerschrank der Planer bleiben sollte, trägt den roten Stempel „Streng vertraulich – Nur für die Verbandsleitung“. Der Inhalt hat Sprengkraft: Um die heimische Wirtschaft anzukurbeln, soll ein „Negativ-Zoll auf Selbstzünder-Kraftstoff“ eingeführt werden. Das Prinzip ist simpel: Wer tankt und fährt, bekommt Geld zurück. Je höher der Verbrauch, desto voller die Kasse.

In der Zentrale der fiktiven Spedition „Rolf & Söhne“ im Ruhrgebiet herrscht seit Bekanntwerden des Leaks helle Aufregung. Geschäftsführer Rolf Kowalski starrt ungläubig auf seinen Taschenrechner. Er tippt, schüttelt den Kopf, tippt noch einmal. Dann reißt er das Fenster zum Hof auf.

„Ronny!“, brüllt er hinüber zur Disposition. „Schmeiß die Ladung Ziegelsteine für morgen raus! Wir fahren leer nach Hamburg. Und nimm nicht die Autobahn, fahr über die Kasseler Berge. Wir brauchen Steigung, wir müssen den Tank leersaugen!“

Disponent Ronny schaut irritiert auf seine drei Bildschirme. „Aber Chef, der Baustoffkunde zahlt drei Euro pro Kilometer!“

Kowalski lacht dröhnend. „Ein Witz gegen die neue Förderung! Ohne Ladung verbraucht der Bock zwar weniger, aber wenn wir die Zusatzheizung im Fahrerhaus auf Volllast laufen lassen und mit angezogener Handbremse bergauf fahren, kommen wir locker auf 48 Liter Schnitt. Laut dem Papier zahlt uns die Behörde dafür über einen Euro Bonus pro Liter. Zieh den Dieselpreis ab – das ist reiner Gewinn! Und wir müssen uns nicht mit der Ladungssicherung rumärgern.“

Tatsächlich rechnet sich der logistische Wahnsinn laut dem Papier sofort. Ladegut bedeutet im Speditionsalltag schließlich nur Ärger: Gewicht, Zeitverlust an der Rampe, Diskussionen über zerkratzte Euro-Paletten und endlose Wartezeiten. Ohne Ladung hingegen schwebt der 40-Tonner geradezu über die Autobahn. Der Fahrer ist glücklich, weil er keine Gurte werfen muss. Die Werkstatt jubelt, weil die Bremsen geschont werden. Und der Buchhalter weint vor Freude, weil die Bilanz ohne lästige Kundenreklamationen auskommt.

Doch kein staatliches Geschenk kommt ohne den berüchtigten Haken. Auf Seite 14 des Entwurfs taucht der „Nachweis der bestimmungsgemäßen CO2-Erzeugung“ auf. Um den Bonus einzustreichen, muss jeder Liter durch die fiktive „Zentralstelle für Ruß-Akkreditierung“ (ZRA) freigegeben werden. Der Spediteur muss dafür für jede Fahrt das Formular „R-400“ ausfüllen – natürlich handschriftlich und vom Empfänger der Nicht-Ladung quittiert. Wer leer fährt, muss sich am Zielort also vom dortigen Lagerleiter schriftlich bestätigen lassen, dass er erfolgreich mit absolut gar nichts angekommen ist.

Fahrer Kalle steht derweil an einer Raststätte und schüttelt den Kopf, während er den Tankdeckel zuschraubt. „Ich soll also Diesel verblasen, um Geld zu verdienen? Früher haben sie mich abgemahnt, wenn ich den Motor im Stand laufen ließ. Heute sagt der Chef, ich soll beim Schlafen in der Kabine das Standgas hochhalten. Die Welt ist verrückt geworden.“ Er nimmt einen Schluck kalten Kaffee. „Mir egal. Solange ich nicht mehr rückwärts an die Rampe muss, fahre ich auch heiße Luft von Flensburg nach München.“

Ob das Papier jemals die Gremien passiert, bleibt abzuwarten. Erste Gerüchte besagen, dass die Behörde bereits an einer Gegenmaßnahme arbeitet: Einer Maut-Gebühr auf das Mitführen von echtem Transportgut. Frachtfreie Zonen auf der Autobahn könnten die Folge sein. Bis dahin träumen die Disponenten weiter vom großen Geld durch leere Auflieger.

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine reine Satire. Alle genannten Personen, Behörden und Pläne sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit realen bürokratischen Absurditäten sind rein zufällig, aber im Transportalltag leider nicht immer ganz auszuschließen.

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