Foto-Schummel: E-Trucks laden mit altem Dieselstapler.

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Großer Bahnhof bei der Spedition Vormann: Ein nagelneuer, sündhaft teurer Elektro-Lkw soll den Aufbruch in die CO2-freie Zukunft besiegeln. Doch als es an die Beladung geht, schlägt die Realität auf dem Speditionshof gnadenlos zu. Ein Schelm, wer beim offiziellen Pressefoto ganz genau hinsieht.

Jochen Vormann, Chef der „Spedition Vormann & Söhne“, strahlt an diesem Nachmittag wie ein frisch gewaschener Planenauflieger. Vor ihm steht er nun: der ganze Stolz des Fuhrparks, ein rein elektrischer 40-Tonner. Kein Dieselbrüllen, kein Gestank, nur das leise Summen des Fortschritts. „Das ist unsere Eintrittskarte für den neuen Großkunden-Pitch“, flüstert Vormann ehrfürchtig. Die Vorgabe des Kunden war schließlich eindeutig: Wer den Transportauftrag will, muss grün liefern. CO2-neutral ab Werk.

An der Rampe wartet jedoch das erste handfeste Problem des Nachmittags. Kalle, das Urgestein des Lagers, schaut skeptisch auf die Batterieanzeige des einzigen neuen Elektro-Staplers im Betrieb. „Der Akku ist platt, Jochen. Und die neue Schnellladestation liefert aktuell nur Strom für drei Handys gleichzeitig, weil das Netz hier im Gewerbegebiet schlappmacht“, grummelt Kalle und wischt sich die Hände an einer öligen Hose ab.

Die Zeit drückt, die Paletten müssen sofort auf den neuen Vorzeige-Lkw. Vormanns Blick wandert unruhig zur Uhr. „Dann nimmst du eben Rudi“, entscheidet der Chef kurz entschlossen. Rudi ist ein schätzungsweise dreißig Jahre alter Dieselstapler der robusten Sorte. Beim Anlassen hustet Rudi traditionell eine tiefschwarze Rußwolke in den Himmel, die selbst die Vögel im Umkreis kurz das Fliegen vergessen lässt. Aber Rudi läuft immer. Und Rudi schafft richtig was weg.

Genau in diesem Moment biegt Vanessa um die Ecke. Sie macht das Marketing im Betrieb und hat das Smartphone für die „Go-Green-Story“ auf der Firmen-Website schon im Anschlag. „Wir brauchen das perfekte Foto für unsere Nachhaltigkeitsoffensive“, flötet sie. „Der saubere Truck, die grüne Zukunft, das volle Programm.“

Das Bild, das sich ihr bietet, passt allerdings so gar nicht in die Hochglanz-Broschüre: Da steht der futuristische E-Lkw, bereits leicht eingehüllt im bläulichen Dunst von Rudi, während Kalle mit lautem Nageln die nächste Palette auf die Ladefläche wuchtet. Der Ruß legt sich wie ein feiner Schleier über den glänzenden Öko-Schriftzug des Trucks.

„Das geht so überhaupt nicht!“, ruft Vanessa entsetzt. „Der alte Stapler muss sofort aus dem Bild! Und der ganze Qualm auch!“

„Kalle, Motor aus!“, kommandiert Vormann. „Vanessa, geh mal ganz dicht an die Kabinenwand. Wenn du aus der extremen Hocke schräg nach oben fotografierst, sieht man den Stapler hinten an der Rampe nicht. Und der Rauch zieht auch langsam ab.“

Es folgt eine Choreografie auf dem Asphalt, die jedem Ballett Konkurrenz gemacht hätte. Kalle parkt den rußenden Dieselstapler hastig im toten Winkel hinter dem Trafohäuschen. Vanessa legt sich flach auf den staubigen Boden, um den perfekten, dynamischen Winkel von schräg unten zu erwischen. „Kopf hoch, Jochen! Zeig mal mit dem Finger entschlossen in die Ferne!“, ruft sie.

Jochen Vormann posiert. Er lächelt das professionelle Klimaschutz-Lächeln eines Spediteurs, der im Kopf gerade die ungeplanten Zusatzkosten für die nächste Stromabrechnung durchrechnet. Knips. Das Foto sits. Der E-Lkw strahlt im Sonnenlicht, der Himmel ist blau, kein Dieselstapler weit und breit zu sehen.

„Hervorragend, das haben wir“, sagt Vanessa erleichtert und tippt noch vor Ort den passenden Text für die sozialen Netzwerke: „Mit voller Kraft voraus in die emissionsfreie Zukunft! Wir setzen neue Maßstäbe für einen grünen Planeten.“

Kaum ist das Handy wieder in ihrer Tasche verschwunden, drückt Kalle auf den Anlasser von Rudi. Ein markerschütterndes Knattern ertönt, gefolgt von einem satten, schwarzen Abschiedsgruß aus dem Auspuffrohr. „Muss fertig werden, Jochen“, ruft Kalle entschuldigend. „Die Dispo macht Druck, der Kunde wartet!“ Vormann nickt stumm, klopft sich den Staub von der Hose und hofft einfach, dass der Großkunde niemals unangekündigt auf dem Hof vorbeischaut.

Kommentar

Greenwashing? Nein, das nennt man pragmatische Übergangstechnologie! Die Speditionsbranche zeigt mal wieder, wie flexibel sie auf die Herausforderungen der Moderne reagiert. Solange der Strom für die Zukunft nur tröpfelnd aus der Leitung kommt, muss der Ruß der Vergangenheit eben im toten Winkel der Kamera geparkt werden. Am Ende zählt schließlich nur, dass die Ware pünktlich beim Kunden ankommt – und das Foto im Internet die richtige Stimmung transportiert. Ein Hoch auf Rudi, den heimlichen Retter der Lieferkette!

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.