Fahrer fehlen, Dispo telefoniert, Seniorchef: Früher nix gejammert

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Morgens um sechs klingelt das Telefon in jeder Spedition lauter als der Kühlerlüfter eines stehenden Zuges. Fahrermangel, Zeitfenster und Dieselpreis – ein Dreigestirn, das jede Disposition sofort in Brand setzt.

Der Tag beginnt mit der klassische Krankmeldung: „Gelenke, sagt der Fahrer.“ Die Dispo rechnet kurz nach: genug Aufträge, aber zu wenig Leute. Also wird das komplette Adressbuch durchgeklingelt. Ehemalige Aushilfen, Urlaubsvertretungen aus dem Jahr 2012 und der Typ, der damals nur für einen Kaffee reingeschaut hat — alles wird dran genommen. Erwartung: Sofort einsatzbereit. Realität: Handynummern wechseln schneller als die Spritpreise.

Der Chef sitzt zwischen Telefonterror und Frachtrückfragen. Kunden wollen „heute noch“, obwohl die Rampe seit zwei Stunden voller Lkw ist und das Zeitfenster so flexibel wie eine Betonplatte. „Gleich frei“ heißt in der Realität: drei Palettenchaos, zwei fehlende Lieferscheine und ein Azubi, der gerade die Palette „richtig rum“ stapelt. Standgeld droht, aber erst wird diskutiert, dann vergessen, dann wieder gefordert.

Die Mautkosten steigen, der Frachtsatz bleibt stehen und der Dieselpreis weint in der Kalkulation. Eine Tour, die auf dem Papier plus macht, wird in der Realität zur Matheaufgabe mit Tränen: Kilometer x Diesel x Parkgebühren x Stau = Minus. Leerfahrten werden kreativer als je zuvor: Um das Palettenkonto auszugleichen, fährt man zur nächsten Baustelle, um dort Paletten zu „verlagern“. Auf dem Papier ist alles ausgeglichen. In echt sind es einfach weniger Euro am Ende des Tages.

Parallel dazu ruft der Werkstattmeister an und sagt, der Termin sei „nur leicht verschoben“. Zwei Stunden später steht der Lkw mit blinkender Lampe da und die Werkstatt hat jetzt eine ganze Woche freie Zeitfenster — für eine Reparatur, die eigentlich gestern schon fällig war. Die Dispo jongliert zwischen Kunde, Fahrer, Werkstatt und dem Seniorchef, der plötzlich meint: „Früher haben wir das doch auch allein gefahren.“ Erinnerungen reduzieren sich bei ihm auf: weniger Papierkram, mehr Rücken.

Der Seniorchef am Ende des Tages tatsächlich am Steuer: sichtbar stolz, sichtbar überrascht von der Parkplatznot. Auf dem Weg zurück vom Kunden hält er an einer Raststätte, zählt die verfügbaren Parkplätze und sagt laut: „Damals hat man einfach geparkt.“ Ein junger Fahrer hört zu, zeigt auf das Schild „Parken verboten“ und fragt, ob „damals“ auch die Polizei anders war. Antwort: ein Schnaufen, zwei Schulternzucken und die Feststellung, dass früher keiner gejammert hat — außer vielleicht der Lkw.

Zurück im Büro klingeln drei Telefone gleichzeitig. Die Palettenliste ist theoretisch ausgeglichen, der Kunde behauptet, die Ware sei nie angekommen und der Lieferant besteht auf Standgeld. Die Dispo tippt hektisch, der Chef telefoniert weiter mit Ehemaligen, der Seniorchef macht Unterschriften. Am Ende des Tages steht ein neuer Tourplan, drei neue Probleme und die Erkenntnis: Es gibt genug Aufträge. Nur eben nicht genug Leute, die sie unter den realen Bedingungen abfahren wollen.

Kommentar

Die Branche braucht keine Wunder, sondern realistische Konditionen: faire Löhne, vernünftige Parkplätze und Zeitfenster, die keine Illusion sind. Solange aber Aufträge nach dem Prinzip „mehr, schneller, billiger“ verteilt werden, bleibt der Alltag eine Satire, die keiner geschrieben hat, weil sie allzu nah an der Wahrheit ist.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.

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