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Das war einer dieser Abende am Rasthof, an dem der dritte Kaffee frech lächelt und die Geschichten wachsen. Ich sag nur: Sattelzug, Schneefahrbahn, drei Haarnadelkurven – und ich fahre rückwärts den Berg runter. Ob das alles so war? Naja, zu 40 Prozent stimmt’s bestimmt.
Es fing ganz normal an: Auftrag von der Spedition Berg & Brummi, Vollgut nach Südtirol, Abfahrt bei Nebel und Schneegraupel. Die Rampe am Ziel war zu eng fürs geplante Abkanten des Aufliegers. Verladen war trotzdem fertig, aber die Auffahrt in den Hof? Zwei Zentimeter und eine Hecke fehlten. Zurück aus dem Hof war nicht ohne Rückwärtsrangieren durch drei Haarnadelkurven möglich. Der Dispo sagte: „Mach’s sauber, Klaus.“ Ich: „Sauber? Ich bin Klaus, nicht MacGyver.“
Die erste Kurve war noch Kulisse. Zweite Kurve: Gegenlenken, Gefühl, Rückfahrkamera die nur wie ein altes Schwarzweiß-Fernsehgerät guckte. Ich hab den Rückwärtsgang wie ein Balletttänzer behandelt – aber grob. Spiegelstock, Handzeichen an die Frau vom Hof (emmaäh — Name frei erfunden), und los. Der Anhänger schnitt ein wie ein Segel. Unter uns: Schneematsch, über uns: Alpenflanke, neben uns: Abbruchkante und ein Kaktus? Nein, nur eine alte Steinmauer.
Natürlich geht in so einer Geschichte was kaputt. Beim dritten Manöver verabschiedete sich der rechte Blinker. Nicht schlimm, sagt der alte Fahrerwitz: Kabelbinder und ein Stück Spanngurt regeln das. Ich hab’s nicht gänzlich zugelegt, aber zwei Kabelbinder, ein Spanngurt und ein beherzter Fluch später blinkte das Ding wieder – wenn auch mit Charme. Die Polizei sah uns von oben und fuhr zur Kontrolle runter. „Alles in Ordnung?“ fragte der Beamte. Ich nickte, reichte ihm den Führerschein, und er schaute so, als hätte er noch nie jemanden rückwärts den Berg runterschieben sehen. Respekt? Vielleicht Neid.
Die Bergwacht kam zufällig vorbei – oder „zufällig“ wie bei einer guten Erzähler-Übertreibung. Ein Jäger half mit Taschenlampe, ein Rentner zeigte auf die Haarnadelkurven und sagte: „Früher hätten wir ’nen Traktor geholt.“ Ich nahm das als Lob. Kaffee aus der Thermoskanne half beim Denken. Wenn’s eng wird, hilft Kaffee mehr als Lenkradkraft. Und Erfahrung. Und eine Prise Stolz, die man sich als Fernfahrer sammelt wie Schmutz an den Kotflügeln.
Am Schluss war der Auflieger sicher platziert. Der einzige sichtbare Schaden: ein zerdrückter Begrenzungsstein, ein paar Dorfkinder mit Handys und ein Beamter, der mir die Stirn runzelte und sagte: „So was sehen wir selten.“ Ob er das positiv meinte, weiß keiner. Die Leute vom Hof klatschten halb, halb ironisch. Im Fahrerzimmer später wurden Bilder gezeigt – und die wurden größer mit jedem Kaffee. „Du hast nicht etwa…“ „Doch, hab ich.“
Die Moral von der Geschichte? Nicht jede Mission braucht fünfzehn Leute und ‘nen Plan B mit Kran. Manchmal reichen Ruhe, Rückwärtsgang und ein bisschen Einfallsreichtum. Ob ich’s wieder so machen würde? Vielleicht. Ob ich’s jemals wieder so erzählen werde? Definitiv – die Pointe ist zu gut, um sie zu verwerfen. Und falls jemand fragt: Ja, das war Rückwärtsfahrt, kein Rückwärtswunder.
Solche Geschichten sind das Salz in der Suppe des Fahrerzimmers: halb Heldentat, halb Alltag. Am nächsten Morgen klingt das alles noch größer, am übernächsten stellt sich heraus, dass der Stein vielleicht eh lose war. Hauptsache, die Ladung kam an und der Fahrer hat noch alle Spiegel. Und der Kaffee schmeckte – wie immer – großartig.
Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.