Dispo-Wahnsinn: Sofort-Info! Fahrer steckt 20 Minuten im Funkloch!

DISPO & WAHNSINN

Ein ganz normaler Mittwoch, an dem die Dispo den Draht zum Fahrer verliert, der Vertrieb schon versprochen hat und der Kunde dringend wartet. Willkommen im Transportalltag.

Deutschland • transportzentrum.de Redaktion

Es ist 14:37 Uhr, und der Anruf von „Blitz-Bauteile GmbH“ schlägt ein wie ein Meteorit im sonst schon wackeligen Tourenplan. „Ganz dringend, Disponent Kevin! Ein Spezialteil für die Montagelinie in Bergkirchen, muss bis spätestens 16:00 Uhr dort sein. Der Vertrieb hat es schon zugesagt!“ Kevins Puls schlägt sofort schneller. Bergkirchen? Das ist jenseits der Nahverkehrsgrenze, im ominösen „erweiterten Nahbereich“, wo der Nahverkehr manchmal zum Fernverkehr wird, je nach Verkehrslage und Fahrerlaune.

Kevin wirft einen Blick auf den Monitor. Herr Schmidt, erfahrener Routinier, ist gerade in Dunkelbach, lädt ab. Auf dem Papier sieht es *gerade noch* machbar aus. Ein „kleiner Schlenker“ von vielleicht 150 Kilometern, dann noch schnell nach Bergkirchen, abladen, und weiter zur Rückladung in Waldheim. Die liegt „praktisch direkt auf dem Rückweg“, wie Kevin optimistisch schätzt. Er greift zum Telefon, wählt die Nummer von Blitz-Bauteile. „Ja, Herr Müller, wir klären das sofort mit dem Fahrer und melden uns in fünf Minuten!“

Zitat des Tages

„Lieber einmal falsch fahren als zweimal richtig drüber nachdenken.“

Der Plan steht — bis jemand nachrechnet

Fünf Minuten vergehen. Zehn Minuten. Kevin versucht Schmidt zu erreichen. Einmal klingelt es, dann nur noch die Mailbox. Dann wieder gar nichts. Das Dispo-Telefon vibriert unaufhörlich – Blitz-Bauteile hat keine fünf Minuten Geduld. Parallel meldet sich die Rampe in Dunkelbach: „Sagen Sie mal, der Schmidts, der blockiert hier die ganze Rampe! Der müsste doch schon längst auf Achse sein!“ Kevin spürt den Schweiß auf der Stirn. Schmidts muss im Funkloch stehen. Wieder und wieder versucht er es. Nichts.

Chef Gruber spaziert durch die Dispo, nippt an seinem Kaffee. „Na, Kevin, läuft’s? Haben wir den eiligen Auftrag reingekriegt? Sieht doch gut aus auf dem Plan, da ist noch Luft! Schmidts ist ja flexibel, für solche Gelegenheiten sind wir bekannt!“ Kevin nickt gequält. Die „Luft“ im Plan ist eigentlich Lenkzeit, die Schmidts für seine Rückladung braucht. Und die Rückladung in Waldheim ruft auch schon: „Wo bleibt Ihr LKW? Wir machen bald Feierabend!“

Dann meldet sich die Realität

Nach exakt 20 Minuten – in Dispo-Zeit sind das 20 Ewigkeiten – vibriert Kevins Telefon. Eine Nummer, die er auswendig kennt. Schmidts! „Kevin? Was ist denn los? Mein Handy ist seit einer halben Stunde am Durchdrehen. Funkloch. Was gibt’s Dringendes, das die gesamte Spedition in Aufruhr versetzt?“ Kevin atmet tief durch. „Schmidts, du musst nach Bergkirchen, ASOFORT! Der Blitz-Bauteile-Kunde wartet, Vertrieb hat zugesagt.“ Schmidts‘ trockener Kommentar: „Bergkirchen? Das ist doch dieser ‚kleine Schlenker‘, den ihr mir neulich als ‚direkt auf dem Weg‘ verkauft habt, um 200 Kilometer mehr zu fahren. Dafür brauch ich dann aber ein Taxi heim, wenn ich die Lenkzeit überschreite.“

Die Tour eskaliert. Schmidts fährt nach Bergkirchen, natürlich ist der Weg länger, der Verkehr dichter und die Rampe besetzt. Die Rückladung in Waldheim muss auf morgen verschoben werden, mit entsprechenden Standgebühren. Die ursprünglich geplante Wochenendzustellung für einen anderen Kunden in der Nähe von Bergkirchen muss jetzt ein anderer Fahrer übernehmen, der eigentlich frei hätte. Blitz-Bauteile bekommt sein Teil. Kevin bekommt Magengeschwüre. Und Herr Schmidt fährt mit knapper Lenkzeit heim, während die Dispo eine Tour zerschlägt, die ursprünglich makellos aussah.

Branchenfazit

„Flexibilität ist, wenn der Fahrer das Problem des Disponenten löst, für das der Vertrieb keine Zeit hatte.“

Fazit, unromantisch ehrlich: Das Paket kam an. Der Kunde ist glücklich, der Vertrieb feiert seinen Erfolg. Die Spedition hat wieder einmal gezeigt, was sie kann – aber auch, was es kostet. Der Fahrer hat gelernt, dass „sofortige Rückmeldung“ in der Praxis bedeutet, erst mal den letzten Empfangsbalken zu suchen. Und die Dispo? Die weiß, dass das Funkloch nicht nur eine geografische Zone ist, sondern auch eine metaphorische Warnung vor jedem „ASOFORT“-Auftrag, den der Vertrieb ohne Rücksprache verkauft.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.