Sonderfahrt: Kunde will Lieferung gestern, Dispo setzt unmögliches Zeitfenster

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Kurz vorm Feierabend noch die Rettung eines Kundenversprechens? Klingt gut. Klingt dumm. Klingt nach unserer Dispo.

Montag, 16:42 Uhr. Dispo meldet: „Sonderfahrt, kannste noch kurz? Lieferung 18:00–18:05.“ Fahrer schaut auf Navi: 3,5 Stunden. Lenkzeit ist ein Gummiband, anscheinend. Als wäre das Zeitfenster ein Vorschlag und keine Realität, schreibt die Dispo „kleiner Sprint“ dazu. Sprint für einen 40-Tonner ist wie Marathon im Wohnzimmer.

Kunde A, nennen wir ihn Herrn Schnellmann vom Großstadthof, braucht die Palette „unbedingt vor 18:05“. Während der Fahrer das Lenkrad umarmt, schreibt Kunde B („Rückladung direkt um die Ecke“) in die gleiche Tourenmeldung: „Nur 2 Paletten, geht fix.“ Die „direkt um die Ecke“ sind 480 Kilometer. Um die Ecke in unserem Geschäft heißt offenbar Bundesland wechseln.

Die Rampe beim Empfänger ist angeblich vorbereitet. Als der Fahrer ankommt, steht ein Schild: „Rampenreparatur, Zugang nur per Avizo.“ Avizo? Noch niemand avisiert. Tor zu. Tor bleibt zu. Fahrer wartet. Dispo telefoniert. „Wir haben noch einen Lkw dort eingeplant.“ Zwei Minuten später: „Ups, war ein Fehler, geht doch nicht.“ Ergebnis: Doppelbelegung. Fahrer sitzt. Kaffee wird kalt. Geduld wird zur Währung.

Mittendrin die Klassiker: drei unterschiedliche Liefertermine innerhalb von zehn Minuten, drei verschiedene Ansprechpartner, zwei davon „sehr wichtig“ und einer „ach, eigentlich egal“. Die Tourenoptimierung hat die Tour so lange gedreht, bis sie schlechter ist als vorher. Die Software schlägt vor, erst nach Norden, dann nach Westen, dann quer durch eine Kleinstadt – alles, damit die Rückladung „nicht weh tut“.

Lenkzeit, Ruhezeit, gesetzliche Pausen – nett, aber optional, wenn das Wort „Sonderfahrt“ fällt. Die Dispo erklärt jedem, der es hören muss, dass eine Wochenendzustellung „ganz normal“ sei. Samstag früh, Tor zu, Klingel tot. Kunde hat verschlafen. Warum? „Personal hat Samstag privat.“ Solidarität mit dem Privatleben von Toren ist ermutigend, bringt dem Fahrer aber keine Unterschrift.

Am Ende fährt das Fahrzeug 920 Kilometer für drei Paletten, wartet zwei Stunden an einer Rampe, macht das, was in Angeboten steht: „Service“. Der Fahrer bekommt beim Zurücksetzen noch die Nachricht: „Du bist für Tour XY auch schon eingeplant.“ Doppelverplanung nennt man bei uns Multitasking. Und die Dispo lobt sich: „Alles im Plan.“ Plan? Ein Plan ist, wenn etwas Sinn ergibt. Wir arbeiten mit Flexibilität. Und mit Humor. Viel Humor.

Kommentar

Die Disposition verkauft Unmögliches als Service. Die Software optimiert nach Zahlen, nicht nach Realität. Der Fahrer bezahlt mit Zeit und Nerven. Und am Ende zahlt der Kunde eine „Sonderfahrt“, weil es ja keiner anders gemacht hat. Vielleicht wäre Ehrlichkeit das effizienteste Update: „Geht nicht“ statt „geht schnell“. Aber wo bliebe dann der Nervenkitzel?

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.

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