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Der Wecker klingelt um fünf, die Pläne stehen, die LKW glänzen. Doch dann, kurz nach sechs, meldet sich die Realität in Form einer einzigen, verhängnisvollen Nachricht. Willkommen im Speditionsalltag, wo der Montag immer mit einem kleinen Herzinfarkt beginnt.
Der Gong ertönt um 06:17 Uhr. Es ist kein Gong, es ist das Bürotelefon. Disponent Lars, schon seit 05:30 Uhr am Kaffee, ahnt Böses. „Moin Lars, hier ist der Schorsch. Sag mal, ich glaube, ich hab die Pest. Oder zumindest die Grippe. Jedenfalls: Ich kann heute nicht fahren.“ Schorsch, der eigentlich auf die wichtige Tour nach Bitterfeld mit drei Abladestellen müsste. Schorsch, unser einziger Fahrer mit ADR-Schein, der heute für Kunde „Eisenhuth & Söhne“ Gefahrgut geladen hätte.
Lars spürt, wie sein Blutzucker schlagartig von „normal“ auf „panisch unterzuckert“ fällt. Schorsch ist weg. Und mit ihm nicht nur die Bitterfeld-Tour, sondern auch die für Morgen geplante Folgetour mit der Retourladung aus Paderborn. Der Fahrplan, ein Meisterwerk der Logistik, zerfällt schneller als ein trockener Keks im Wind. Der Bildschirm vor Lars wird zum Schlachtfeld digitaler Aufträge, die er nun wie heiße Kartoffeln zwischen den verbliebenen, bereits voll ausgelasteten Fahrern hin- und herschieben muss.
Zitat des Tages
Ein guter Disponent erkennt den Herzinfarkt nicht am Schmerz, sondern am Klingeln des Montags-Telefons um kurz nach sechs.
Keine fünf Minuten später klingelt das zweite Telefon. „Herr Lars? Hier ist Spedition Meier. Unser LKW für die Rampe 3 bei Ihnen ist da. Und Ihr Kunde ‚Blitz & Donner GmbH‘ fragt, wann der Kram endlich in Bielefeld ist. Sie haben eine Eil-Lieferung bestellt, die sie angeblich gestern schon brauchten, aber erst vor einer Stunde zur Verladung bereitgestellt haben.“ Lars schluckt. „Blitz & Donner“ ist bekannt. Die wollen sofort, aber ihre Ware ist entweder noch im Lager vergraben oder es fehlen fünf Paletten der zwölf bestellten. Und die Rampe 3 ist natürlich nicht wirklich frei, denn da steht noch der Kollege vom Kollegen, der „gleich fertig ist“ – seit drei Stunden.
Parallel dazu blitzt im System die aktuelle Dieselpreis-Warnung auf: Schon wieder drei Cent mehr pro Liter. Die Bitterfeld-Tour, ursprünglich mit 120 Euro Marge kalkuliert, wäre jetzt ein Defizitgeschäft. Aber stornieren? Und Eisenhuth & Söhne verprellen? Niemals. Lars jongliert. Muss er jetzt den Peter, der eigentlich nur Nahverkehr macht, auf die Langstrecke schicken und dessen Touren auf den AZUBI schieben? Peter wird toben. Und der AZUBI? Der kann noch keine Gefahrgutpapiere lesen, geschweige denn damit fahren. Später wird Peter dann nachts auf einem überfüllten Rasthof in der letzten Ecke parken müssen, direkt vor dem Dixi-Klo, weil alle anderen Plätze von Privat-PKWs blockiert sind, die hier übernachten.
Inmitten des Chaos kommt die E-Mail von der Buchhaltung: „Palettenkonto ‚Kunde XY‘ wieder im Minus, trotz Ihrer Aussage, es sei ausgeglichen.“ Lars seufzt. Das Palettenkonto ist so ausgeglichen wie eine Wasserwaage in einem Erdbebengebiet. Die Werkstatt ruft an: „Der Achim muss noch schnell rein, der hat seit Freitag einen kaputten Spiegel, den wir für heute eingeplant hatten. Und der Chef meint, früher ging auch alles irgendwie. Man muss nur wollen!“ Ja, der Chef. Der weiß, dass der moderne LKW nicht mehr mit Gummiband und Spucke repariert wird und ein Werkstatttermin eine halbe Wochenplanung kostet.
Drei Telefone klingeln gleichzeitig. Ein Kunde will Standgeld nicht zahlen, weil die Entladung ja „nur“ vier Stunden dauerte. Ein Fahrer meldet leere Batterien am Hubwagen. Eine Mautpreisanpassung ist ins Haus geflattert. Lars starrt auf seine Kaffeetasse. Sie ist leer. So wie sein Glaube an einen normalen Montag. Er atmet tief durch. Das ist keine Satire. Das ist Dienstag. Und er muss noch die Spätschicht für Peter organisieren.
Branchenfazit
In der Spedition ist der einzige fixe Plan, dass der Plan nie fix bleibt. Das nennt man dann agile Logistik.
Fazit, unromantisch ehrlich: Der Montag ist in der Spedition kein Wochentag, sondern eine Bewährungsprobe für die seelische Widerstandsfähigkeit. Wer hier unbeschadet durchkommt, ist entweder Masochist oder Spediteur. Meistens beides.
Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.