Leerfahrt oder Verlust: Spediteur in der Falle.

SPEDITION & REALITÄT

Der tägliche Kampf um Fracht und Marge. Zwischen Kundenwünschen, Dieselpreisen und der ewigen Frage: Lohnt sich das überhaupt noch? Willkommen im ganz normalen Wahnsinn des Speditionsalltags.

Deutschland • transportzentrum.de Redaktion

Herr Kowalski von „Blitz-Logistik“ reibt sich die Schläfen. Der Bildschirm zeigt: LKW 0815, Fahrer Rudi, Hinfracht erledigt in Paderborn. Jetzt leer. Seit Stunden. Die Frachtbörsen spucken Rückladungen aus, die eher Beleidigungen als Angebote sind. Von „Düsseldorf nach Bielefeld für nen Hunni“ bis „palettierte Luftfracht aus dem Schwarzwald nach Cuxhaven – wir zahlen die Hälfte der Maut“.

Rudi hatte die Ware beim „Fix-Kabel-Systeme“ in Paderborn punktgenau abgeladen. Punktgenau fünf Stunden nach dem offiziellen Zeitfenster, weil die Rampe natürlich „gleich frei“ war. Jetzt steht er auf einem überfüllten Autohof, Diesel für die Standheizung nagelt leise, und er sucht verzweifelt eine Rückladung, oder zumindest einen halbwegs legalen Parkplatz für die Nacht. Und das WLAN am Rasthof? Das funktioniert selbstverständlich nicht, obwohl groß beworben.

Zitat des Tages

Früher, da gab’s noch Fracht. Heute gibt’s nur noch Ausreden, PDF-Anhänge mit 30 Seiten AGBs und Speditionsplattformen, die meinen, 50 Euro decken einen Tag LKW-Einsatz.

Der einsame Cowboy der Autobahn und sein Disponent

Zurück bei Kowalski klingelt das Telefon zum fünften Mal in zehn Minuten. „Kunde Meier braucht SOFORT drei Paletten nach München! Ja, WIE sofort? Die Ware ist doch noch gar nicht produziert? Das ist doch egal, das kann der Rudi doch auch noch mitnehmen, wenn er sowieso gerade in der Gegend ist.“ Kowalski atmet tief durch. Die Rückladung für Rudi nach Hause würde ihn 200 Euro „einbringen“, aber 800 Euro an Diesel, Maut und Fahrerlohn fressen. Von der geplanten Abladezeit ganz zu schweigen.

Jeder Kilometer, den Rudi fährt, kostet. Diesel rauf, Maut rauf, Lohn rauf. Die angebotene Rückladung von Bielefeld nach Dortmund für 70 Euro? Das ist nicht mal ein halber Tank. „Leer fahren“, murmelt Kowalski, „ist in manchen Fällen billiger, als sich von irgendeinem Schnäppchenjäger die Tour kaputtmachen zu lassen. Manchmal ist Schweigen einfach Gold, und Leere Silber.“

Die bittere Rechnung: Wenn der leere LKW die bessere Wahl ist

Und dann der Anruf der Werkstatt: Der LKW 0815 hat einen Sensorfehler, der „auf jeden Fall“ in der nächsten Woche behoben werden muss – Termin natürlich während der Hauptfrachzeit, wenn jeder LKW zählt. Und das Palettenkonto bei Kunde „Logi-Zwerg“? Das gleicht sich laut deren Buchhaltung nur auf dem Papier aus. In der Realität fehlen Kowalski immer 15 Euro-Paletten, die „ganz sicher mit der letzten Lieferung getauscht wurden“, aber niemand weiß, wann oder von wem.

Im Büro summt das Faxgerät mit einer Mahnung, während auf dem Bildschirm eine neue Frachtanfrage aufblinkt: „Deutschlandweite Direktfahrt, Express, 2 Paletten, 300kg – Budget 49 Euro“. Kowalski schluckt. Neben ihm klingeln drei Telefone gleichzeitig: Fahrer Rudi, der wissen will, was er machen soll; Kunde Meier, der seine „sofortige“ Lieferung immer noch nicht hat; und die Buchhaltung, die wissen will, ob Kowalski das Standgeld bei „Fix-Kabel-Systeme“ tatsächlich schon angefordert hat – es sind ja schon drei Wochen her. Das Standgeld, das er erst anmahnen, dann diskutieren und am Ende doch vergessen würde. Oder es ihm vom Frachtpreis abgezogen wird, „weil der LKW ja eh zu spät war“.

Branchenfazit

Wir reden nicht mehr über Frachtpreise, wir reden über Schmerzensgeld für die reine Existenz als Spediteur. Und manchmal ist die größte Kunst, zu wissen, wann man einfach Nein sagt – oder lieber gar nichts fährt.

Fazit, unromantisch ehrlich: Am Ende des Tages ist es wie immer: Ein Spediteur muss entscheiden, ob er langsam pleite geht, weil er nichts fährt, oder schnell pleite geht, weil er zu wenig dafür bekommt. Die Wahl zwischen Pest und Cholera – nur eben auf Rädern.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.