Mecker-Rentner Achim: Nur am Jammern, aber heimlich arbeitsgeil!

PORTRÄT

Eigentlich könnte Achim längst seine Rente im Liegestuhl genießen. Stattdessen sitzt der Aushilfsfahrer dreimal die Woche im Lkw, schimpft über das Arbeitspensum – und lässt sich von niemandem auch nur eine Schicht wegnehmen.

Deutschland • transportzentrum.de Redaktion

Es ist punkt sechs Uhr morgens auf dem Betriebshof der Spedition. Die Halle dröhnt, Motoren laufen warm, und in der Dispo steht Achim. In der Rechten hält er einen dampfenden Becher Kaffee, in der Linken die Tourenliste für den Tag. Sein Blick wandert über das Papier, die Augenbrauen ziehen sich zusammen. Es folgt der Satz, den in der Halle ausnahmslos jeder kennt: „Wollt ihr mich heute eigentlich kaputtmachen? Schon wieder 22 Stopps im Verteilerverkehr. Das trage ich keine zwei Wochen mehr mit!“

Dabei ist Achim längst im Ruhestand. Er müsste gar nichts mehr mittragen. Eigentlich sollte der Rentner im heimischen Garten die Rosen beschneiden oder die Enten im Park füttern. Stattdessen springt er Woche für Woche an genau drei Tagen als Aushilfsfahrer ein. Er greift sich das Lenkrad des Zwölftonners, schimpft sonor vor sich hin und rettet den Disponenten regelmäßig das operative Tagesgeschäft.

Zitat des Tages

„Man schindet mich hier bis auf die Knochen – aber wenn mir nächsten Freitag einer meine Tour wegnimmt, ziehe ich ganz andere Saiten auf!“

Navigationssystem? „Brauche ich nicht!“

Das Phänomen Achim lässt sich schwer erklären, aber am besten im Verladeraum beobachten. Wenn die jungschen Festangestellten mit leuchtenden Augen ihre Navigationsgeräte programmieren und sich wenig später in engen Industriegebiets-Sackgassen festfahren, rollt Achim entspannt an der Laderampe an. Er braucht kein Display. Er kennt nicht nur jede Hausnummer im Landkreis, er kennt die Leute dahinter.

Achim weiß genau, dass Lagerleiter Schulze beim Baustoffhandel um kurz nach neun seine Frühstückspause macht und vorher keine Palette anfasst. Er weiß, an welchem Tor man den Lkw rückwärts um die Ecke zirkeln muss, weil dort seit drei Jahren ein alter Hubwagen im Weg steht. Und er weiß, dass die Dame am Empfang der Maschinenbaufirma den Lieferschein nur unterschreibt, wenn man ihr einen guten Morgen wünscht und nicht hektisch auf das Klemmbrett tippt. Wegen dieses Wissens erledigt Achim seine Routen schneller als die Vollzeitkräfte – was ihn allerdings keineswegs milde stimmt.

Das kurze Interview

Frage: Achim, Sie sind Rentner und beschweren sich jeden Morgen über die vielen Stopps. Warum treten Sie nicht einfach kürzer?

Antwort: Weil der Laden hier sonst am zweiten Tag zusammenbricht! Die Jungen finden doch ohne Satellitennavigation nicht mal mehr die eigene Ladefläche. Wenn ich nicht fahre, bleiben die Paletten doch stehen.

Frage: Die Disposition wollte Ihnen für nächste Woche einen freien Tag anbieten, weil Sie so geschafft wirkten…

Antwort: Das ist eine absolute Frechheit! Nur weil ich ein paar Jahre mehr auf dem Buckel habe, will man mich auf das Abstellgleis schieben? Ich fahre meinen Dienstag, Donnerstag und Freitag. Da gibt es gar nichts zu diskutieren.

Frage: Woher kennen Sie die Kunden auf Ihrer Tour eigentlich alle mit Vornamen?

Antwort: Weil man mit den Leuten reden muss, statt nur Barcodes einzuscannen. Ich weiß, wer seinen Kaffee schwarz trinkt und wo der Schlüssel vom Hoftor liegt. Das steht in keinem Logistik-System der Welt.

Der unersetzliche Grummler

In der Dispositionszentrale hat man das System Achim längst durchschaut. Wenn der Aushilfsfahrer morgens nicht über die Tourenlänge oder die Dieselpreise wettert, macht man sich ernsthafte Sorgen um seine Gesundheit. Das Meckern gehört bei ihm schlicht zum Startvorgang, wie das Vorglühen beim alten Dieselmotor.

Sollte es die Dispo doch einmal wagen, ihm aus Fürsorge einen seiner festgelegten Arbeitstage zu streichen, steht Achim punkt sieben Uhr trotzdem auf dem Hof. Dann tränkt er die Belegschaft mit mürrischen Blicken, triff die Kollegen beim Kaffeekochen und erklärt haargenau, wie falsch die Fahrzeuge heute beladen wurden. Man kann ihn einfach nicht bremsen.

Branchenfazit

Achim flucht über jeden einzelnen Stopp – aber wehe, man nimmt ihm einen weg. Dann wird er richtig sauer.

Fazit, unromantisch ehrlich: Aushilfsfahrer Achim ist das wandelnde Gedächtnis des Fuhrparks. Er schimpft ununterbrochen über die Last des Alltags, schlägt aber jede Pause aus, weil ihm ohne den Dieselgeruch und die tägliche Kundenpflege schlicht der Rhythmus fehlt. Eine Spedition kann sich glücklich schätzen, wenn sie so einen Rentner in ihren Reihen hat.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.