Amtlicher Leerfahrten-Irrsinn: Für die Dispo ist Geografie schuld!


BÜROKRATIE & VERBÄNDE

Der Fachverband Rückladungssicherung fordert die lückenlose Auslastung aller Nutzfahrzeuge direkt am Entladeort. In den Transportbetrieben stößt die Initiative auf verhaltene Begeisterung – dort nennt man das Problem schlicht Geografie.

Deutschland • transportzentrum.de Redaktion

Im Rahmen einer mehrstufigen Praxisabfrage hat der Bundesverband für Rückladungssicherung und Laderaumoptimierung (BRLO) das Zeitalter der leeren Auflieger für beendet erklärt. Nach vorläufiger Einschätzung des zuständigen Gremiums soll künftig jedes Transportfahrzeug unmittelbar am Ort der Abladung eine adäquate Folgeladung aufnehmen. Zur Verbesserung der betrieblichen Ablauftransparenz legte der Verband nun eine 48-seitige Handlungsempfehlung vor.

Das Kernproblem der Branche sei gelöst, sobald die Abstimmungswege zwischen Entladestation und Neubeladung digital harmonisiert würden, heißt es in dem Papier. Warum Tausende Lkw täglich ohne Fracht über die Autobahnen rollen, führt der Verband auf unzureichende Meldepflichten zurück. Dass dort, wo die Ware abgekippt wird, stellenweise schlicht keine neue Ware existiert, findet im Strategiepapier lediglich als Randnotiz Erwähnung.

Zitat des Tages

„Der Arbeitskreis empfiehlt die unverzügliche Ladungsaufnahme direkt am Entladeort. Dass im Gewerbegebiet Vorpommern um 16 Uhr nur Wind weht, ist nach unserer Auffassung ein reines Koordinationsproblem.“

Was beschlossen wurde

Zur Vermeidung vermeidbarer Leer-Kilometer beschloss die Delegiertenversammlung die Einrichtung des neuen Formulars „Meldebogen Rückladebereitschaft (MRB-2)“. Speditionen sind fortan angehalten, die freie Kapazität eines Fahrzeugs bereits sechs Stunden vor Erreichen der Entladerampe in eine überregionale Erfassungsliste einzutragen. Der BRLO erhofft sich dadurch eine sofortige Schließung der Laderaumlücken.

In den Speditionsbüros erzeugt der Vorstoß vor allem zusätzlichen Ausdruckbedarf. Um die Einhaltung der neuen Verbandsempfehlung im Falle einer Kontrolle nachweisen zu können, werden die digitalen Meldungen in vielen Betrieben zur Sicherheit doppelt abgelegt: einmal im Dispo-System und einmal ausgedruckt im Leitz-Ordner hinter dem Disponenten. An der Platzierung der Lkw ändert das vorerst wenig.

Der Praxistest im Betrieb

Wie die Umsetzung unter Berücksichtigung branchenüblicher Sonderfälle aussieht, zeigt der Alltag auf dem Betriebshof: Ein 40-Tonner entlädt im tiefsten Thüringer Wald Dämmstoffe. Laut Verbandsempfehlung müsste das Fahrzeug innerhalb eines Dreiecks von fünf Kilometern eine Rückladung nach Hamburg aufnehmen. Die Realität meldet jedoch lediglich zwei Tauschpaletten und einen Stapel Altpapier.

Die Disposition nennt diesen Zustand seit Jahrzehnten trocken „Geografie“. Während das Verbandsgremium in seiner Abschlusserklärung von einer „positiven Resonanz im Rahmen der Testphase“ spricht, disponiert die Praxis weiterhin nach der Methode Hoffnung: Der Lkw rollt 120 Kilometer leer zur nächsten Autobahnraststätte, um dort auf ein Frachtangebot zu warten, das rechnerisch gar nicht existieren dürfte.

Branchenfazit

„Wir haben jetzt einen behördlich aussehenden Bogen zur Erfassung ungenutzter Kapazitäten. Der Lkw fährt zwar immer noch leer nach Hause, aber wir können das Dokument jetzt sauber gelocht abheften.“

Fazit, unromantisch ehrlich: Die Transportbranche leidet nicht an mangelndem Papierkram, sondern an der einfachen Tatsache, dass Industriegebiete und Empfängerorte selten exakt im Kreis gebaut sind. Solange Verbände Geografie für ein organisatorisches Versäumnis halten, bleibt den Disponenten nur der Griff zum Telefon – und der gewohnte Leerfahrt-Kilometer.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.