Expresstransport-Wahnsinn: Fahrer, Schein, Schlüssel weg!

DISPO & WAHNSINN

Ein Expressauftrag muss sofort raus, der Truck steht bereit. Doch beim Kunden fehlt noch der Staplerfahrer, der Lieferschein – und der Schlüssel zum Tor. Ein Dispo-Thriller in Echtzeit, der uns alle wieder lächeln lässt (oder verzweifeln).

Deutschland • transportzentrum.de Redaktion

Es ist 14:00 Uhr. Mike, Chefdisponent bei „Frachtfuchs Logistik“, starrt auf den Bildschirm. Der Vertrieb hatte gerade angerufen: „Mike, da ist ein SUPER-Auftrag von Blitzmetall AG! Express, von Stuttgart nach Mannheim, muss um 17:00 Uhr DA sein! Super Marge, absolute Priorität!“ Auf dem Papier klingt es gerade noch so, als könnte man es mit viel gutem Willen und einem waghalsigen Gebet schaffen. Der nächste freie Truck ist Frank, irgendwo bei Nürnberg, auf dem Heimweg.

Mike rechnet im Kopf: Nürnberg-Stuttgart knapp zwei Stunden, Beladung eine Stunde, Stuttgart-Mannheim anderthalb Stunden. Das passt, wenn Frank fliegt und die Ampeln grün sind. Er schnappt sich das Headset. „Frank, hör mal, ich hab da noch ’nen kleinen Umweg für dich. Blitzmetall AG, Stuttgart. Express nach Mannheim. Kannst du?“ Frank, bekannt für seine stoische Ruhe, meldet sich: „Klar, Chef. Hab ja noch Lenkzeit. Ist ja nur ’n Klacks.“ Mike atmet durch. Plan steht. Fast.

Zitat des Tages

„Express bedeutet bei manchen Kunden einfach nur: Wir haben gepennt, jetzt muss der Spediteur zaubern.“

Der Plan steht — bis jemand nachrechnet

Frank erreicht um 15:45 Uhr das Gelände der Blitzmetall AG in Stuttgart. Ruf bei Mike: „Chef, ich steh hier vor dem Tor. Geschlossen. Und keiner geht ans Telefon. Sieht aus wie nach der Apokalypse.“ Mike greift sofort zum Hörer, wählt die Blitzmetall-Zentrale. Eine gelangweilte Stimme meldet sich: „Blitzmetall AG, was kann ich tun?“ Mike erklärt die Situation. „Ja, die Expressladung ist vorbereitet! Der Staplerfahrer? Muss ich mal suchen. Der Lieferschein? Liegt im Büro, aber unser Chef hat den Schlüssel zum Büro und ist gerade beim Power-Napping. Und das Tor? Ist doch immer offen!“

Frank schickt eine trocken formulierte SMS: „Mein Lenkzeitkonto freut sich über 45 Minuten Wartezeit. Hab ja genug Puffer. Soll ich schon mal den Kaffee kochen?“ Mikes Chef, Herr Gruber, kommt ins Büro. „Na, Mike, läuft der Blitzmetall-Auftrag? Hab da eine tolle Marge kalkuliert. Den Kunden wollen wir halten!“ Mike nickt gequält, während er versucht, Herrn Schmidt vom Einkauf der Blitzmetall AG zu erreichen, der angeblich für die „sofortige Abwicklung“ zuständig ist.

Dann meldet sich die Realität

Eine Stunde später. Frank meldet sich wieder. „Chef, der Staplerfahrer ist da! Hat den Lieferschein gefunden. Oder besser gesagt: einen Lieferschein. Der von gestern. Der richtige muss noch gedruckt werden, das ERP ist gerade abgestürzt. Und dann war das Ding doch keine Palette, sondern fünf lose Kisten, die ‚höchst fragil‘ sind und einzeln verzurrt werden müssen. ‚Weil das ja Express ist, muss es besonders sorgfältig sein!‘ Lenkzeit sieht langsam kacke aus.“

Mike weiß, was das bedeutet. Mannheim um 17:00 Uhr ist Fiktion. Er ruft den Vertrieb an. „Sagt mal, habt ihr denen nicht gesagt, die sollen vorbereitet sein?“ Der Vertrieb, leicht pikiert: „Wir verkaufen Lösungen, Mike, keine Probleme! Das regelt doch die Dispo!“ Mike seufzt. Letzter Anruf bei Frank. „Frank, wie sieht’s aus mit Mannheim?“ Frank schnauft ins Handy: „Chef, das wird frühestens morgen früh. Hab noch 20 Minuten Restlenkzeit. Ich mach hier Feierabend, sobald die Kisten gesichert sind. Hab ja auch noch ein Privatleben.“ Die Blitzmetall AG ist entrüstet: „Aber unser Vertriebsmitarbeiter hat uns 17 Uhr versprochen!“

Branchenfazit

Die größte Flexibilität im Transport hat immer noch der Kunde – bei der Einhaltung seiner eigenen Versprechen.

Fazit, unromantisch ehrlich: Am Ende des Tages stand die Expressladung über Nacht auf Franks LKW, die Marge war durch die Wartezeit aufgebraucht, der Kunde unzufrieden, weil das Versprechen des Vertriebs nicht eingehalten wurde, und die Dispo hatte mal wieder gezeigt, dass Physik und Lenkzeiten resistent gegen Kundenwünsche und Vertriebsversprechen sind. Alle haben ihr Bestes gegeben, um eine Situation zu retten, die nie hätte entstehen dürfen. Business as usual.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.