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Nah-, Fern-, Sonderfahrt, Werkstatt – Disponent Kevin versprach dem Chef, den ganzen Wahnsinn mit einem einzigen Fahrer zu lösen. Herbert, der Auserwählte, ahnte Schlimmes.
Es war ein Dienstag, 10:30 Uhr, als Herr Meier, der Speditionschef, ins Dispo-Büro stürmte. „Kevin! Dringend! Die Blitz-Fix Logistikbedarf braucht heute noch zwei Paletten zur Sonnenschein AG, Nahverkehr, bis 14 Uhr. Und dann, das ist der Knüller, eine Sonderfahrt für den Stahlgigant in Oberfranken – Produktion steht, wenn die Ware nicht bis 17 Uhr da ist. Wochenende droht stillzustehen!“ Kevin nickte, während Herr Meier weitersprach: „Ach ja, und Herberts Zugmaschine muss dringend in die Werkstatt, Bremse macht Geräusche. Und die Rückladung vom Kartonparadies in der Nähe von Oberfranken, die ist ja quasi auf dem Weg, oder?“
Kevin, unser frischgebackener Disponent, sah den Plan. Herbert, unser Mann für alle Fälle, war gerade auf dem Rückweg, Feierabend gegen 16 Uhr. „Perfekt!“, dachte Kevin mit jugendlichem Optimismus. Nahverkehr schafft er locker bis 14 Uhr, dann die Sonderfahrt, ein „erweiterter Nahbereich“ eben. Die Werkstatt kann er dazwischen schieben, und die Rückladung ist ja „direkt um die Ecke“. Mit einem Fahrer, Herbert, dem Allheilmittel, würde er Nahverkehr, Fernverkehr, Sonderfahrt und Werkstattfahrt gleichzeitig abdecken und den Tourenplan quasi mit links „wunderheilen“.
Zitat des Tages
„Wenn der Chef sagt, da ist noch Luft im Plan, meint er meistens meine Mittagspause. Oder die Gesetze der Physik.“
Kevin rief Herbert an. „Herbert, kleine Planänderung! Du bist heute unser Superheld! Nahverkehr, dann Sonderfahrt, dann Werkstatt, und die Rückladung ist ja eh auf dem Heimweg.“ Am anderen Ende der Leitung war es kurz still, dann ein tiefes Seufzen. „Kevin, bin ich der Nikolaus? Oder hast du Lenkzeit vergessen? Nahverkehr bis 14 Uhr, dann 500 Kilometer Fernverkehr, dann Werkstatt, und ich soll noch eine Rückladung holen? Ich bin LKW-Fahrer, kein Magier.“
Die erste Hektik brach aus. Die Sonnenschein AG erklärte Kevin am Telefon, die 14-Uhr-Zustellung sei ja nur ein Wunsch, Avisierung hätten sie keine bekommen, und die Rampe sei belegt. Der Stahlgigant drohte mit Konventionalstrafen, sollte die Ware nicht pünktlich sein, aber „klar, wir haben auch am Wochenende Notdienst, wenn’s später wird.“ Die Werkstatt hatte erst um 16 Uhr einen Slot frei, wenn überhaupt. Und das Kartonparadies? „Rückladung? Ja, liegt bereit. Aber 80 Kilometer von Oberfranken entfernt. Und Ladezeit haben wir erst Montag Vormittag. Der Vertrieb hat das wohl missverstanden.“
Herbert steckte um 13:45 Uhr an der Rampe der Sonnenschein AG fest. „Die haben hier zehn Gabelstaplerfahrer, aber keiner weiß, wo meine Papiere sind! Seit einer Stunde stehe ich hier!“, knurrte er Kevin ins Telefon. Kevin drängelte: „Herbert, die Sonderfahrt! Der Stahlgigant! Das ist Gold wert für uns!“ Herbert, unter Lenkzeitdruck und kurz vor der Explosion, ließ die Nahverkehrs-Ware halb abgeladen zurück und raste los. Der Stahlgigant wurde um 18:30 Uhr erreicht, gerade noch so. Die Werkstatt musste warten. Die „Rückladung um die Ecke“ wurde storniert und extern vergeben, zu dreifachen Kosten.
Der Nahverkehrsauftrag von Blitz-Fix? Wurde zum „dringenden Nachlieferauftrag“ für den nächsten Tag deklariert, mit einem genervten Kunden. Herberts Lenkzeit war am Limit, sein Feierabend um 22 Uhr. Und die Bremse? Die machte immer noch Geräusche. Das Allheilmittel Herbert hatte zwar die Sonderfahrt gerettet, aber drei andere Baustellen eröffnet. Kevin, am Ende des Tages, verstand, dass ein Tourenplan keine Wunderheilung braucht, wenn man nicht versucht, einen Fahrer gleichzeitig als Eier legende Wollmilchsau, Zeitmaschine und Superhelden zu verplanen.
Branchenfazit
Man kann den Ball nicht gleichzeitig zum Torwart und zum Mittelstürmer passen lassen und erwarten, dass er ein Tor schießt.
Fazit, unromantisch ehrlich: Der Versuch, fünf Aufträge, eine Werkstattfahrt und eine Wunderheilung in die Hände eines einzigen Fahrers zu legen, ist ein Rezept für pures Chaos. Der Vertrieb verkauft die blaue Stunde als goldenen Liefertermin, der Chef kalkuliert mit rosaroter Brille, die Dispo verspricht das Unmögliche, der Kunde drängelt und der Fahrer soll es dann mit Erfahrung ausbaden. Am Ende zahlen alle – und die Bremse von Herberts LKW quietscht immer noch.
Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.