LKW-Fahrer pünktlich an Rampe: Kunde sagt zu früh! Irrsinn!

DISPO & WAHNSINN

Fahrer Bernd steht auf die Minute pünktlich an der Rampe – doch der Kunde hat in der Zwischenzeit die Spielregeln neu erfunden. Eine Geschichte vom Dispo-Wahnsinn, in dem Pünktlichkeit zum Problem wird und die Logistik Kopf steht.

Deutschland • transportzentrum.de Redaktion

Der Tag begann mit einem klassischen „Geht das noch?“-Anruf. Vertriebler Sven hatte mal wieder eine „dringende“ Eillieferung für die Blitz-Bauteile GmbH in Hintertupfingen verkauft. Termin: Montag 8:00 Uhr scharf. Absolut kritisch, sonst stehe die ganze Produktion still, so die offizielle Begründung. „Aber absolut flexibel, das ist ein Schlüsselkunde!“, hatte Sven noch fröhlich ins Telefon geträllert, bevor er auflegte und Disponent Klaus mit dem Problem allein ließ.

Klaus, ein Veteran des Asphalt-Tetris, musterte seinen Bildschirm. Fahrer Bernd war gerade auf dem Rückweg von einer anderen „ultra-wichtigen Sonderfahrt“ aus dem erweiterten Nahbereich (300 km einfache Strecke). Mit Ach und Krach und einer geschnittenen Kaffeepause könnte Bernd die Ware noch bei der Zuliefer-Zentrale in Rüttelheim aufnehmen, 400 Kilometer abspulen, die vorgeschriebene Wochenruhe einlegen und theoretisch um 7:55 Uhr vor der Rampe von Blitz-Bauteile stehen. Eine Rückladung für die Schnellschraub AG war auch schon „fix“ vom Vertrieb avisiert – „liegt ja quasi auf dem Weg“, lautete die magische Formel.

Zitat des Tages

„Unsere Kunden sind so flexibel, die bestellen ‚gestern dringend‘ und brauchen es ‚übermorgen vielleicht‘, aber nur, wenn’s pünktlich ist – nur nicht zu pünktlich.“

Der Plan steht — bis jemand nachrechnet

Der erste Riss im Zeitfenster-Wunder kam von Bernd. „Klaus, ich steh hier am Zulieferer. Sagen die, LKW ist noch gar nicht entladen. Ich warte hier jetzt schon 45 Minuten, die Gabelstapler-Batterie ist leer oder so ein Quatsch.“ Klaus rief bei der Zuliefer-Zentrale an. „Ist in fünf Minuten frei, Herr Disponent, unser Staplerfahrer sucht nur noch den Schlüssel für den Ersatzstapler.“ Fünf Minuten wurden zu einer Stunde. Bernd war geladen, aber seine Lenkzeit war nun kritisch. Die 8:00 Uhr Lieferung? Reine Fiktion, wenn Bernd seine Pause halten sollte.

Klaus wählte die Nummer von Blitz-Bauteile. „Guten Tag, wegen der Lieferung morgen früh um 8 Uhr. Das wird sehr eng, könnten wir auf 9 Uhr ausweichen?“ Eine kurze Stille, dann ein irritiertes Räuspern am anderen Ende. „Ach, wissen Sie, Herr Disponent… da fällt mir ein, die 8 Uhr war ja eigentlich viel zu früh. Wir haben montags immer Teammeeting. Da sind die Jungs frühestens um halb zehn am Band. Sagen Sie Ihrem Fahrer, er soll am besten um 10:30 Uhr kommen. Ja, 10:30 Uhr ist perfekt. Dann ist auch unser Meister da. Die 8 Uhr war eigentlich Quatsch, um ehrlich zu sein.“ Klaus spürte, wie seine Augen zuckten. Bernd meldete sich: „Ach ja, Chef, die Rückladung für Schnellschraub? ‚Quasi auf dem Weg‘ bedeutet hier wohl 200 Kilometer Umweg in die komplett andere Richtung.“

Dann meldet sich die Realität

Montagmorgen, 7:55 Uhr. Bernd parkte seinen Brummi millimetergenau vor der Rampe von Blitz-Bauteile. Pünktlicher ging es nicht. Er marschierte zur Pforte. „Guten Morgen, Turbo-Express, Lieferung für Blitz-Bauteile.“ Die Rezeptionistin, eine blonde Dame mit gestärktem Namensschild „Frau Meier“, blickte ihn über den Rand ihrer Brille an. „Oh, Sie sind zu früh. Der Meister hat gestern extra angerufen, dass Sie erst um 10:30 Uhr kommen sollen. Die Rampe ist noch belegt, und überhaupt, der Herr Müller ist noch in der Besprechung. Fahren Sie doch bitte mal auf den Warteparkplatz. Oder vielleicht morgen früh?“

Bernd griff zum Telefon, wählte Klaus. Seine Stimme war trocken wie drei Tage alter Zwieback. „Chef, ich stehe hier. Pünktlich. Aber der Kunde sagt, pünktlich ist heute zu früh. Und die Rampe ist belegt. Und die Rückladung für die Schnellschraub… ich sag mal so: Die Planung für heute ist dann wohl auch zu früh gestorben.“ Klaus starrte auf seinen Tourenplan, der sich gerade in Konfetti verwandelte. Kunden, die „dringend“ bestellen, aber selbst nicht wissen, wann sie fertig sind. Vertriebler, die Zeitfenster verkaufen, die nur in Paralleluniversen existieren. Und Fahrer, die mit stoischer Ruhe das ausbügeln, was vorher keiner durchdacht hat.

Branchenfazit

Pünktlichkeit ist eine Tugend. Nur nicht, wenn der Kunde plötzlich merkt, dass er gar nicht pünktlich sein will, weil sein eigener Plan noch nicht stand.

Fazit, unromantisch ehrlich: Die Tour, die auf dem Papier gerade so aufging, endete in Stunden vergeudeter Lenkzeit, doppelten Kilometern für eine Rückladung, die wahrscheinlich auch nicht fertig war, und einem Fahrer, der am liebsten seine Uhr neu eingestellt hätte – auf irgendwann. Flexibilität wollen alle, zahlen will sie niemand. Und mittendrin die Dispo, die versucht, aus dem Chaos noch irgendwie eine schwarze Null zu zaubern.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.