Gleich geht’s los! Nach Stunden LKW-Wahnsinn an Rampe.

DISPO & WAHNSINN

Ein ganz normaler Dienstag bei Spedition FixundFertig. Der Tourenplan ein Drahtseilakt, der Fahrer am Limit und ein Kunde, der Zeitfenster als unverbindliche Empfehlung versteht.

Deutschland • transportzentrum.de Redaktion

Der Auftrag klingelte ein, kurz nach Feierabend, natürlich „hochdringend“: Kunde „Logistik-Fantasie GmbH“ hatte für seine Unternehmung „Kunde Chaos AG“ in ‚Hintertupfingen-Ost‘ eine Just-in-Time-Lieferung bestellt. Zeitfenster: messerscharf von 8:00 bis 8:15 Uhr. Der Vertrieb hatte es, von Sektlaune beflügelt, natürlich schon zugesagt – mit dem Zusatz, „das kriegen wir hin, ist doch unser Premium-Kunde!“

Disponent Bernd „Bleistift“ Müller, dessen Schreibtisch unter halbvollen Kaffeebechern und unleserlichen Notizen ächzte, stierte auf den Plan. Fahrer Horst „Hobel“ Schneider war schon mit einer „Sonderfahrt“ – vom Vertrieb als „kleiner Umweg im erweiterten Nahbereich“ verkauft, tatsächlich aber 150 Kilometer jenseits der Zivilisation – unterwegs. Eine Rückladung vom „Verpackungsmaterialien-Express“ in der Nähe von Chaos AG war fest versprochen, natürlich mit Beladezeit von 14:00 bis 14:30 Uhr. Bernd schob ein paar Touren im System hin und her. „Passt gerade noch so“, murmelte er, „wenn der Horst sich beeilt.“

Zitat des Tages

„Wenn ‚gleich‘ das neue ‚irgendwann heute‘ ist, bin ich wohl schon in Rente, bevor die Rampe aufmacht.“

Der Plan steht — bis jemand nachrechnet

Horst hatte sich beeilt. Seine erste Ablieferung in ‚Ödland-West‘ zog sich zwar 45 Minuten, weil der Gabelstaplerfahrer erstmal seinen Kaffee ausgetrunken und dann den Schlüssel gesucht hatte. Und die A7 hatte natürlich ihr obligatorisches Stau-Intermezzo eingelegt. Aber Horst war Kämpfer. Um 7:55 Uhr stand er vor dem Tor der „Kunde Chaos AG“. Pünktlich, sogar mit fünf Minuten Puffer. Er rief die auf dem Avis angegebene Nummer an. Mailbox. Er probierte die zweite. Nummer nicht vergeben. Die 8:00 Uhr verstrich. Dann die 8:15 Uhr.

Bernd bekam den ersten Anruf von Horst um 8:20 Uhr. „Tor zu, keiner da, Telefon geht nicht ran. Was machen wir jetzt mit dem Premium-Zeitfenster?“ Bernd rief den Vertrieb an, der rief den Kunden an. „Man kümmert sich, das ist wirklich sehr wichtig“, hieß es von der Logistik-Fantasie GmbH. Zehn Minuten später: „Sie kümmern sich immer noch.“ Die Uhr tickte. Horsts Lenkzeit ebenso. Die Rückladung für 14:00 Uhr rückte in weite Ferne.

Dann meldet sich die Realität

Um 11:35 Uhr, nach unzähligen Telefonaten, die nur widersprüchliche Aussagen und ein „bitte warten Sie noch einen Moment“ hervorbrachten, gab es ein Lebenszeichen. Das Tor der „Kunde Chaos AG“ öffnete sich quietschend. Horst rollte vor die Rampe, erleichtert. Dann kam ein Mann in orangefarbener Warnweste, eine halb leere Kaffeetasse in der Hand, schlurfte gemütlich zur Rampe, sah Horst an, zuckte mit den Schultern und sagte in einem Tonfall, der keinerlei Eile verriet: „Jau. Gleich geht es los.“ Es war 11:40 Uhr.

Für Horst, dessen Lenkzeitkonto nun einem Schweizer Käse glich, bedeutete das „Gleich geht es los“ das Ende seiner geplanten Tour. Die Rückladung beim Verpackungsmaterialien-Express war nicht mehr zu erreichen. Die nachfolgenden Lieferungen? Hoffnungslose Fälle. Bernd im Büro jonglierte wild mit der Restlenkzeit und versuchte verzweifelt, einen anderen Fahrer für die Abholung der jetzt sinnlosen Rückladung zu finden. Die Logistik-Fantasie GmbH wunderte sich indes, warum die Sendung nicht wie avisiert um 8:00 Uhr entladen wurde. „Wir haben doch ein Zeitfenster gebucht!“

Branchenfazit

Zeitfenster sind wie der Glaube an Einhörner: Schön, wenn’s klappt – meistens aber reine Fantasie auf Kosten der Spedition.

Fazit, unromantisch ehrlich: Der Tag bei Spedition FixundFertig endete mit einem schlafenden Horst auf einem überfüllten Autohof, einer nicht abgeholten Rückladung und einer Dispo, die versuchte, die Zusatzkosten für die abgesprungene Folgetour und die Übernachtung des Fahrers zu kalkulieren. Der Vertrieb? Hatte schon den nächsten Premium-Kunden mit Zeitfenster im Visier. Und der Kunde Chaos AG? War zufrieden, dass „irgendwann heute“ doch noch „gleich“ bedeutete.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.