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Großer Bahnhof für den Bürokratieabbau: Der „Initiativkreis für speditionelle Entlastung“ tagt im vornehmen Konferenzhotel. Doch die Praxisnähe scheitert bereits an der Anmeldung und der Parkplatzsuche.
Es versprach der ganz große Befreiungsschlag für die mittelständische Transportwirtschaft zu werden. Unter dem wegweisenden Titel „Kompetenzforum Logistik und Bürokratie“ kamen am gestrigen Dienstag führende Köpfe, Verbandsvertreter und Prozessoptimierer im edlen „Mercator Congress Hotel“ zusammen. Das erklärte Ziel der hochkarätig besetzten Runde: der radikale Abbau von überflüssigem Verwaltungsaufwand an den Rampen, in den Dispo-Büros und auf den Autobahnen. Man wollte, so hieß es im Vorfeld, ein unüberhörbares Signal für die Praxisnähe senden.
Doch der Aufprall der hehren Theorie auf die raue Wirklichkeit erfolgte bereits im Foyer des Konferenzhotels. Wer als Spediteur oder Branchenvertreter an der Debatte über die Entlastung der Betriebe teilnehmen wollte, musste sich zunächst durch ein beachtliches analoges Nadelöhr kämpfen. Ohne die vorherige Einreichung der Erfassungsbögen GISE-1 (Stammdaten), GISE-2 (Datenschutzeinwilligung) und GISE-3 (Sonderfallprüfung für die Verpflegungspauschale) gab es keinen Einlass. Gekrönt wurde das Verfahren von einer zwölfstelligen, persönlich zugeteilten Teilnehmernummer, die aus Sicherheitsgründen per Post versandt worden war.
Zitat des Tages
„Wir müssen den Bürokratieabbau natürlich erst einmal prozedural absichern. Wenn hier einfach jeder ohne Registrierungsnachweis reingeht, haben wir am Ende Chaos an den Schnittstellen.“
Drinnen, im klimatisierten Festsaal, herrschte dennoch Aufbruchstimmung. Der Initiativkreis stellte zur Verbesserung der betrieblichen Ablauftransparenz einen ersten Entwurf für eine „unverbindliche Orientierungshilfe zur Vermeidung vermeidbarer Mehrfachmeldungen“ vor. Das Papier umfasst stolze 74 Seiten und empfiehlt unter anderem, bestehende physische Palettenscheine durch ein neues, bundeseinheitliches Online-Meldeportal zu ersetzen. Dieses soll, so der Vorschlag, zur rechtlichen Absicherung vorerst parallel zu den bestehenden Papierausdrucken geführt werden.
Zudem einigte sich das Gremium nach vorläufiger Einschätzung des Arbeitskreises darauf, eine weitere Unterarbeitsgruppe zu gründen. Diese soll im Rahmen einer mehrstufigen Praxisabfrage prüfen, warum die Digitalisierung der Frachtbriefe in der Praxis stagniert. Um die Ergebnisse dieser Prüfung zu strukturieren, wurde ein neuer, zweiseitiger Erhebungsbogen beschlossen, den die Speditionen halbjährlich auf freiwilliger Basis ausfüllen und unterschrieben per Fax oder PDF-Scan an die Geschäftsstelle übermitteln können.
Während drinnen über die Harmonisierung bestehender Rampenprozesse referiert wurde, kämpfte Spediteur Thorsten Krause draußen mit der unmittelbaren Realität. Er war testweise mit einem seiner Sattelzüge angereist, um die Praxistauglichkeit des Forums zu erproben. Das Problem: Der im Einladungsschreiben versprochene Fahrerparkplatz war nirgends ausgeschildert. Die freundliche Dame an der Hotelrezeption verwies auf Nachfrage lediglich auf die Tiefgarage – Durchfahrtshöhe exakt 2,10 Meter.
Auf der Suche nach einer geeigneten Abstellfläche blockierte Krause schließlich eine Busspur und eilte ins Foyer, um den für diesen Fall vorgesehenen „Sonderparkausweis GISE-P“ abzuholen. Doch dieser konnte nicht ausgehändigt werden. Der zuständige Mitarbeiter des Arbeitskreises befand sich in einer geschlossenen Sitzung zum Thema „Optimierung von Wartezeiten im Nahverkehr“. Am Ende rangierte Krause seinen 40-Tonner unter Anleitung eines genervten Hotelgärtners rückwärts durch eine enge Wohnstraße, während drinnen der nächste Vortrag über die Entlastung des Fahrpersonals begann.
Branchenfazit
Nichts nimmt dem Bürokratieabbau so sehr den Wind aus den Segeln wie der Versuch, ihn lückenlos zu verwalten.
Fazit, unromantisch ehrlich: Am Ende des Tages stand fest: Die Entlastung der Transportbranche kommt voran – man muss sie sich nur leisten können. Wer künftig weniger Formulare ausfüllen will, muss im ersten Schritt nachweisen, dass er die dafür notwendigen Anträge fristgerecht eingereicht hat. Die nächste Sitzung des Kompetenzforums findet im Herbst statt. Die Anmeldefrist beginnt ab sofort. Bitte halten Sie Ihre Teilnehmernummer bereit.
Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.