Unternehmerverband im Güterverkehr gründet Ausschuss zur Prüfung aller Ausschüsse

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Ein frisch gegründeter Unternehmerverband im Güterverkehr hat auf seinem ersten Verbandstag ein ambitioniertes Ziel verkündet: ausführlich beraten, gründlich dokumentiert – und möglichst nichts davon umsetzen. Die Branche reagiert gewohnt pragmatisch.

Der „Dachverband Logistikunternehmer e.V.“ – völlig frei erfunden, aber überzeugend tituliert – versammelte sich zum traditionellen Auftaktkaffee und verabschiedete prompt eine Unterarbeitsgruppe. Thema: die Gründung einer Kommission zur Evaluierung vorhandener Kommissionen. Sitzungsdauer: voraussichtlich unbestimmt.

In der anschließenden Arbeitskreissitzung „Rampenoptimierung 2035“ wurden fünf Sprecher ernannt, vier Untergruppen gebildet und ein 28-seitiges Positionspapier in Auftrag gegeben. Die Kernaussage des Papiers, so viel vorweg, ist eindeutig: Es braucht mehr gemeinsame Lösungen, breiten Schulterschluss und einen zukunftsfähigen Dialog.

Die Pressemitteilung folgte dem üblichen Muster: viel Pathos, viele Floskeln, kaum Handlung. „Wir stehen für nachhaltige, praktikable und zukunftsorientierte Ansätze“, schrieb die PR-Abteilung in elegant generiertem Verbandsjargon. Leser mit Bezug zur Praxis – Fahrer, Disponenten, Unternehmer – schauten auf die Uhr und fuhren weiter.

Wenig überraschend sorgte die Tarifkommission „Faire Stunden, faire Formulare“ für Unterhaltung. Drei Stunden lang wurde diskutiert, ob das Wort „fair“ künftig in Versalien, Kursiv oder gar in den Fußnoten stehen soll. Ein Vorschlag, stattdessen Rampenöffnungszeiten flexibler zu gestalten, wurde höflich auf die Tagesordnung des nächsten Sonderausschusses verwiesen.

Zwischen Kaffeepause und Fototermin gründete die Initiative „Dialog statt Druck“ eine Taskforce, die wiederum sofort Akteneinsicht in die Arbeit der anderen Taskforces beantragte. Die Initiative forderte mehr Dialog, mehr Beteiligung und ein Whitepaper zur Erstellung weiterer Whitepaper. Ergebnis: Ein Memorandum of Understanding über die Notwendigkeit weiteren Memorandumsschreibens.

Der Verbandstag endete, wie es sich gehört, mit der Ankündigung eines nächsten Verbandstages. Als Zugabe wurde ein Workshop „Praxisnah denken – Verbandlich handeln“ terminiert. Teilnehmer sind herzlich eingeladen, Vorschläge für die Tagesordnung einzureichen; Einsendeschluss: zwei Wochen nach dem nächsten Verbandstag.

Kommentar

Es ist kein Wunder, dass Verbände Sitzungen lieben: Dort lässt sich Aktivität in Endlosschleife produzieren, ohne einen Parkplatz, eine Stunde Wartezeit an der Rampe oder einen fehlenden Fahrer zu lösen. Wer auf konkrete Hilfe hofft, sollte besser zum Disponenten gehen – der hat sonst wenigstens die Papiere griffbereit und einen echten Zeitdruck.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.

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