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Im vermeintlich digitalen Zeitalter wird jede Palette zum bürokratischen Mammutprojekt. Eine alltägliche Speditionstour entpuppt sich als Marathon durch Formulare, Apps und Warteschlangen, während der LKW selbst nur noch Nebendarsteller ist.
Es ist 7 Uhr morgens in der Spedition „Fix & Fertig Logistik“ in Klein-Erbsenkirchen. Disponent Anton Müller starrt auf seinen Bildschirm, drei Telefone blinken in verschiedenen Farben. Eine scheinbar einfache Tour liegt vor ihm: Eine einzelne Europalette muss zur „Blech- und Biegetechnik GmbH“ nach Groß-Abrechnungsdorf, genau 60 Kilometer entfernt. Fahrzeit: Eine Stunde, vielleicht anderthalb, wenn die Ampeln nicht mitspielen.
Für diese harmlose Mission braucht LKW-Fahrer Klaus Meier heute aber nicht nur seinen Führerschein und gute Laune. Der Stapel an Unterlagen auf Antons Schreibtisch ist höher als der Kaffeebecher: Lieferschein (vierfach), Frachtbrief, Ladungsbegleitpapiere, Ablieferbeleg, eine ausgedruckte Mautbestätigung, der Palettenschein für den Tausch, die digitale Bestätigung der Abladestelle sowie der Ausdruck der Vorab-Anmeldung im Online-Portal des Kunden. Ach ja, und das Gefahrgut-Datenblatt für die Reinigungsmittel, die Klaus im Notfall in der Kabine hat.
Zitat des Tages
„Früher, da gab’s einen Schein, einen Stempel, und gut war’s. Heute braucht’s eine IT-Abteilung für ’ne Europalette.“
Bevor Klaus überhaupt starten kann, muss Anton noch die digitale Slot-Buchung beim Kunden prüfen, die Mautdaten manuell abgleichen – die automatische Erfassung hatte diesmal eine „technische Störung“ – und mit dem Lagerchef diskutieren, ob der Palettenschein vom letzten Mal auch wirklich ausgeglichen war. „Das Palettenkonto ist angeblich ausgeglichen“, murmelt Anton in den Hörer, „aber nur auf dem Papier, real haben wir ein Minus von drei Dutzend.“
Nach einer Stunde Papierkrieg, zwei Kaffeetassen und drei missglückten Versuchen, den Drucker zu überzeugen, dass DIN A4 tatsächlich DIN A4 ist, sitzt Klaus endlich in seinem 40-Tonner. Er atmet auf. Eine Stunde Fahrt, das ist seine Welt. Die Reifen rollen, der Diesel fließt, die Maut zählt. Kurz vor Groß-Abrechnungsdorf dann der Anruf vom Kunden: „Der Wareneingang ist gerade mit einer Sondertour beschäftigt, ob Herr Meier nicht eine Stunde später kommen könnte?“ Anton am Telefon, Klaus im Stau vor der Rampe.
Endlich auf dem Hof, Rampe natürlich voll. „Ist gleich frei“, so die lapidare Aussage des Lageristen, der lieber auf sein Smartphone starrt. 45 Minuten später, die Rampe ist immer noch belegt, aber jetzt von einem anderen LKW, der auch „gleich fertig“ ist. Klaus ruft Anton an, Anton ruft den Kunden an, der Kunde ruft seinen Wareneingang an. Standgeld? Darüber reden wir später, oder besser: Nie. Der Dieselpreis macht Anton jetzt schon schwitzige Hände.
Nach anderthalb Stunden Wartezeit, die die eigentliche Fahrtzeit übertrifft, darf Klaus endlich an die Rampe. Die eine Palette wird abgeladen. Aber halt! Der Ablieferbeleg? Nicht unterschrieben. Die digitale Bestätigung? Der Scanner des Kunden streikt. „Können Sie das nicht nochmal mailen und ich unterschreibe Ihnen eine Kopie?“ fragt der Lagerist, der gerade noch von der „papierlosen Zukunft“ geschwärmt hatte. Die drei Leute in der Spedition von Anton sind wieder voll beschäftigt, die fehlenden Papiere nachzureichen.
Branchenfazit
Wir transportieren nicht nur Güter. Wir transportieren vor allem Belege, Daten, Palettenscheine und die Geduld unserer Mitarbeiter.
Fazit, unromantisch ehrlich: Die eine Stunde Fahrt von Klaus hat am Ende drei Mannstunden in der Spedition gebunden und unzählige Nerven gekostet. Der Gewinn aus dieser Tour? Reicht gerade so, um die nächste Rolle Druckerpapier und die Schmerztabletten für Anton zu finanzieren. Der Chef sagt dazu nur: „Früher, da ging das auch alles irgendwie. Und zwar schneller.“
Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.
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