Amtlicher Transport-Kostenalarm: Kunden fordern trotzdem frech Rabatt!


BÜROKRATIE & VERBÄNDE

Das Mittelstandsforum Transportkosten schlägt Alarm und listet jede Kostensteigerung akribisch auf. Doch der Aufprall auf die harte Realität in der Disposition zeigt: Auch der schönste Appell schützt nicht vor der klassischen Frage nach dem ersten Nachlass.

Deutschland • transportzentrum.de Redaktion

Das neu gegründete „Mittelstandsforum Transportkosten“ (MTB) hat auf seiner jüngsten Tagung ein wegweisendes Papier zur Rettung der mittelständischen Transportwirtschaft vorgestellt. Unter dem Titel „Kostenstruktur-Kompass zur Verbesserung der betrieblichen Ablauftransparenz“ rechnet das Gremium penibel vor, warum Transporte teurer werden müssen. Erhöhte Mautsätze, steigende CO2-Abgaben, gestiegene Fahrger Gehälter und die drastischen Preise für Nutzfahrzeugreifen lassen den Speditionen eigentlich keinen Spielraum mehr. Die klare Empfehlung des Forums: Kunden müssen dringend ein tieferes Verständnis für diese wirtschaftlichen Realitäten entwickeln.

Das Problem der Transportbranche liegt allerdings selten im Mangel an gut gestalteten PDF-Dateien, sondern in der täglichen Praxis der Auftragsvergabe. Um die Botschaft des Verbandes zu untermauern, empfiehlt das Forum den Mitgliedsbetrieben, jedem Angebot künftig ein mehrseitiges „Informationsblatt zur makroökonomischen Kostenentwicklung“ beizulegen. Auf diese Weise, so die Theorie des Arbeitskreises, könne der Kunde die Preisfindung lückenlos nachvollziehen und werde die Erhöhung klaglos akzeptieren.

Zitat des Tages

„Der Kunde hatte Tränen der Rührung in den Augen, als er unsere Kostenaufstellung sah. Dann fragte er, ob wir die Tränen und zehn Prozent vom Kilometerpreis abziehen können.“

Was beschlossen wurde

Im Rahmen einer mehrstufigen Praxisabfrage hat das Forum beschlossen, den Dialog mit den Verladerorganisationen auf eine neue, wissenschaftliche Ebene zu heben. Ein neuer „Leitfaden zur partnerschaftlichen Kostenakzeptanz“ soll sicherstellen, dass Preisanpassungen nicht mehr als unhöfliche Forderung, sondern als logische Konsequenz physikalischer Gesetze wahrgenommen werden. Der Leitfaden umfasst 42 Seiten und enthält unter anderem detaillierte Grafiken über den Abrieb von Gummimischungen auf deutschen Autobahnen bei verschiedenen Außentemperaturen.

In der Praxis bedeutet das jedoch vor allem eines: Mehr Arbeit für die Verwaltung. Bevor ein Angebot an den Kunden rausgeht, muss der Disponent nun theoretisch den „Mittelstands-Index“ abgleichen und das entsprechende Formblatt ausfüllen. Zur Vermeidung vermeidbarer Mehrfachmeldungen wurde zudem eine Excel-Tabelle entworfen, in der jede Spedition dokumentieren soll, wie viel „Verständnis“ der jeweilige Kunde beim Telefonat geäußert hat. Ein erster Entwurf für eine unverbindliche Orientierungshilfe befindet sich bereits in der internen Abstimmungsschleife.

Der Praxistest im Betrieb

Wie diese Harmonisierung bestehender Rampenprozesse im Alltag verpufft, zeigt ein Blick in das Büro einer mittelständischen Spedition im Ruhrgebiet. Disponent Jens-Uwe hat das neue Informationsblatt pflichtbewusst an ein Angebot für eine Komplettladung nach München angehängt. Die Mauterhöhung ist rot markiert, die gestiegenen Reifenpreise sind fett gedruckt, und der Mindestlohn-Effekt wird in einer Kurve visualisiert. Keine fünf Minuten später flackert die Antwort des Einkäufers auf dem Bildschirm auf. Der Ton ist herzlich.

„Vielen Dank für die transparente und hochprofessionelle Aufbereitung Ihrer Kalkulation“, schreibt der Kunde. Man habe vollstes Mitgefühl mit der schwierigen Lage des Transportgewerbes und schätze die partnerschaftliche Zusammenarbeit sehr. Der Satz endet mit einem Komma, gefolgt von der entscheidenden Frage: „Können wir beim ersten Angebot trotzdem noch mal über einen Rabatt von 12 Prozent sprechen? Unser Budget für dieses Quartal ist leider gedeckelt. Alternativ müssten wir die Ladung auf einer Online-Plattform ausschreiben.“

Branchenfazit

Nichts schafft so viel bürokratisches Verständnis für gestiegene Kosten wie ein langes Verbandspapier, das am Ende ungelesen abgeheftet wird, weil der Preisdruck an der Rampe seine eigenen Gesetze schreibt.

Fazit, unromantisch ehrlich: Die Bemühungen der Verbände in allen Ehren, aber am Ende scheitert die Theorie an der banalen Realität des Marktes. Solange „Verständnis“ keine Währung ist, mit der man an der Tankstelle Diesel bezahlen kann, bleibt der gut gemeinte Kosten-Leitfaden nur ein weiteres Dokument, das die Druckerpatronen der Speditionen belastet – was die Kosten für das nächste Angebot übrigens direkt wieder um 0,2 Cent pro Kilometer anhebt.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.