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Willkommen im täglichen Irrgarten des deutschen Transportgewerbes, wo Zahlen tanzen, Dieselpreise Achterbahn fahren und der gesunde Menschenverstand Urlaub macht.
Herr Kunze, Inhaber von „Kunze Logistik“, sitzt wie jeden Montagfrüh vor seinen Excel-Tabellen. Sein Bleistift ist so spitz, dass er glatt durch die Papierstärke 80g/m² bohren könnte. Dieselpreis vom Vortag, Maut von vorgestern, die neue Werkstattrechnung für den defekten Anlasser an der Zugmaschine Nummer Drei, der Reifenverschleiß, die Abschreibung, der Fahrerlohn – alles fein säuberlich erfasst, bis auf die dritte Nachkommastelle. Er kennt seine Kosten. Bis zur letzten Schraube.
Die Realität, die ihm danach ins Gesicht springt, ist ernüchternd. Die Kosten pro Kilometer? Ein solides, unbestreitbares Ergebnis. Doch dann der Anruf der „Blitzschnell GmbH“, seines besten Kunden. Eine Eilfracht von Oberhausen nach Passau, natürlich sofort, am besten gestern. Der angebotene Frachtpreis lässt Herrn Kunze schlucken. Er rechnet schnell im Kopf gegen: Diesel, Maut, Fahrer, und schon ist er im Minus. Oder, wie er es nennt: „Beschäftigungstherapie für meine LKW, damit sie nicht rosten.“
Zitat des Tages
„Wenn der Frachtpreis die reine Selbstkostenrechnung nicht mal zur Hälfte deckt, dann fährst du nicht, um Geld zu verdienen, sondern um die Illusion aufrechtzuerhalten.“
Jürgen, einer von Kunzes treuesten Fahrern, steht währenddessen vor der „Mega-Logistik-GmbH“. Liefertermin vor zwei Stunden. Die Rampe ist voll. „Gleich frei“, bellt es ihm aus der Sprechanlage entgegen. Seit 45 Minuten steht Jürgen da, die Lenkzeit tickt, die Nerven liegen blank. Die „Blitzschnell GmbH“ hat die Ware angeblich gestern Abend schon bereitgestellt, tatsächlich liegt sie noch lose im Lager und wartet darauf, gefunden zu werden. Standgeld? Herr Kunze wird es verlangen. Die „Mega-Logistik-GmbH“ wird es diskutieren. Irgendwann wird es vergessen sein.
Abends, nach 10 Stunden Fahrt und unzähligen Minuten Wartezeit, sucht Jürgen einen Parkplatz. Jeder LKW-Parkplatz an der A3 ist überfüllt. Er zirkelt von Raststätte zu Raststätte, nur um Verbotsschilder und bereits wild parkende Kollegen zu finden. Die Uhr läuft gegen ihn. Morgen früh muss er pünktlich entladen. Schlaf? Luxus. Sicherheit? Fehlanzeige. Das Fahrerleben ist ein einziger Dauertest der Geduld.
Eine Routineinspektion von LKW Nummer Fünf sollte zwei Tage dauern. Plötzlich ist der Turbolader doch nicht mehr ganz taufrisch, die Lichtmaschine macht Geräusche, und das Getriebe? Man müsste „mal genauer hinschauen“. Aus zwei Tagen werden fünf. Die Werkstattkosten schießen in die Höhe, während der LKW wertvolle Kilometer nicht fährt. Herr Kunze reibt sich die Schläfen. Jeder Tag Standzeit ist eine direkte Rechnung ins Portemonnaie.
Und der Dieselpreis? Gestern noch moderat, heute wieder auf dem Vorkrisenniveau – plus zehn Cent. Eine gute Tour wird zur Rechenaufgabe mit Tränen. Die Mautkosten steigen kontinuierlich, der Frachtsatz? Der bewegt sich maximal seitwärts, wenn überhaupt. Und das Palettenkonto der „Mega-Logistik-GmbH“? Angeblich ausgeglichen, aber auf Kunzes Hof stapeln sich die Einwegpaletten, während die guten Europaletten auf Nimmerwiedersehen verschwunden sind. Auf dem Papier alles tipptopp, in der Realität das reinste Chaos.
Branchenfazit
Im Transportgewerbe ist der Profit wie ein Yeti: Viele reden drüber, aber niemand hat ihn je wirklich gesehen.
Fazit, unromantisch ehrlich: Während Herr Kunze noch verzweifelt versucht, die Lücke zwischen seinen spitz kalkulierten Kosten und den lachhaften Frachtangeboten zu schließen, klingeln drei Telefone gleichzeitig auf seinem Schreibtisch. Ein Fahrer ist krank, eine Ladung verspätet sich, und die „Blitzschnell GmbH“ will wissen, warum die sofortige Lieferung nicht schon gestern da war. Willkommen im Speditionsalltag. Eine echte Therapie wäre manchmal hilfreicher als jede Beschäftigungstherapie.
Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.