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Spediteur Bruno wollte dringend Diesel sparen und verpasste seinem Flaggschiff ein sündhaft teures Aerodynamikpaket. Jetzt zittert Fahrer Kalle vor jeder engen Baustelle – und die Werkstatt rechnet neu.
Speditionschef Bruno Lehmann hatte beim wöchentlichen Meeting ein verdächtiges Glitzern in den Augen. Die neue Hochglanz-Broschüre versprach eine sensationelle Ersparnis von bis zu 1,5 Litern Diesel auf einhundert Kilometern. „Aerodynamische Ganzkörper-Kondome für den Trailer“, nannte es Werkstattmeister Schrader respektlos. Doch der Chef blieb hart. Das neue Aero-Paket wurde bestellt und montiert: tiefgezogene Seitenschürzen aus hochglänzendem Spezialkunststoff, die dem Sattelzug das grazile Profil eines flachgelegten Sportwagens verliehen.
Fahrer Kalle starrte am nächsten Montag fassungslos auf das Werk. Zwischen dem Asphalt und der neuen, elegant geschwungenen Verkleidung passte gefühlt gerade mal eine aufrecht stehende Streichholzschachtel. „Damit soll ich zu dem engen Baustoffhändler nach Wuppertal?“, fragte er und kratzte sich am Kopf. „Kalle, das ist die Zukunft!“, schwärmte der Chef und klopfte auf die makellose weiße Verkleidung. „Jeder Millimeter Luftwiderstand kostet uns bares Geld!“
Zitat des Tages
„Wenn der Kahn noch tiefer liegt, muss ich vor dem Einbiegen auf den Autohof vorher die Ameisen wegschicken.“
Die Jungfernfahrt begann um 11:15 Uhr. Auf der Autobahn lief es tatsächlich wie geschmiert. Der Zug glitt dahin, fast meinte Kalle, das leise Flüstern des Windes zu hören, der sich formvollendet um die windschnittigen Plastikflanken schmiegte. Doch hinter der Ausfahrt Hagen wartete die Realität des deutschen Straßennetzes. Eine Tagesbaustelle. Verengte Fahrstreifen, provisorische gelbe Linien, die links an einer Betonwand und rechts an einer Batterie aus schweren Warnbaken vorbeiführten.
Kalle schwitzte. Seine Hände umklammerten das Lenkrad, als stünde der Lkw auf Glatteis. Jede kleine Spurrinne wurde zum Nervenkrieg. Links zog ein polnischer Kollege im Millimeterabstand vorbei, rechts lauerten die massiven Standfüße der Baustellenschilder. „Bloß kein Windstoß“, betete Kalle im Führerhaus. In einer engen Verschwenkung passierte es dann. Ein dumpfes, aber unüberhörbares Knirschen von rechts hinten. Ein Baustellen-Hütchen hatte den vorgeschriebenen Mindestabstand offensichtlich nicht im Kopf gehabt.
Zurück auf dem Speditionshof um 17:45 Uhr. Kalle stieg aus und blickte stumm auf das rechte Hinterrad. Wo am Morgen noch formschöner, windschnittiger Kunststoff thronte, klaffte nun ein ausgefranstes Loch. Ein großer Teil der stolzen Seitenverkleidung hing wie ein trauriger, zersplitterter Kotflügel auf Halbmast.
Spediteur Bruno kam sofort mit dem Taschenrechner aus dem Büro gerannt. „Wir haben laut Bordcomputer auf der Tour stolze zwölf Liter Diesel gespart, Kalle!“, rief er begeistert. Werkstattmeister Schrader schlurfte gemütlich aus der Werkshalle, warf einen kurzen Blick auf das Trümmerfeld und tippte auf seinem Klemmbrett herum. „Klasse Leistung, Chef. Das neue Plastikteil kostet im Einkauf schlanke 1.400 Euro. Plus Montage und Lackierung. Wenn wir so weiter sparen, sind wir bis zum Monatsende pleite.“
Branchenfazit
„Aerodynamik ist eine feine Sache für den Windkanal. Auf der Autobahnbaustelle gewinnt am Ende aber immer die Bake aus Hartgummi.“
Fazit, unromantisch ehrlich: Der noble Kampf gegen den Luftwiderstand scheitert im echten Speditionsalltag meistens an der ersten Bordsteinkante oder einer engen Rampe beim Discounter. Wer wirklich Diesel sparen will, sollte vielleicht erst mal über ein feinfühliges Training für den Bleifuß des Fahrers nachdenken, statt den Lkw mit teurem Plastik-Zierrat auszustatten, der beim ersten Feindkontakt mit der Praxis zersplittert.
Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.