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Im gnadenlosen Alltag der Transportbranche sind Logik und Zahlen oft nur hübsche Dekoration. Hier kämpft der Spediteur täglich gegen explodierende Kosten, chronischen Fahrermangel und Kunden, deren Verständnis proportional zum geforderten Aufpreis sinkt.
Es ist Montag, 8:00 Uhr. Herr Krummfuß von „Krummfuß Logistik GmbH“ sitzt am Telefon und versucht, Frau Sparfuchs von der „Clever & Preiswert GmbH“ die gestiegenen Dieselpreise zu erklären. „Frau Sparfuchs“, beginnt er mit der Geduld eines Marathonläufers, „wir haben allein im letzten Quartal eine Erhöhung von zwölf Prozent. Dazu Maut, Lohn, Ersatzteile – die Kalkulation ist nicht mehr haltbar. Wir brauchen den Dieselzuschlag.“ Frau Sparfuchs seufzt theatralisch am anderen Ende: „Herr Krummfuß, ich verstehe das ja. Wirklich! Die Nachrichten sehe ich auch. Aber Sie wissen ja, unser Budget…“ Und da ist es wieder, das Mantra: Verständnis ja, Aufpreis nein. Zahlen sind so überzeugend, bis das Wort „Aufpreis“ fällt. Dann werden sie zu unverständlichen Hieroglyphen.
Währenddessen versucht Disponent Mike, sich aus einem akustischen Bermuda-Dreieck aus drei gleichzeitig klingelnden Telefonen, einem brummenden Funkgerät und dem Dauergehupe der einfahrenden LKW zu befreien. Fahrer Horst meldet sich vom Autobahnkreuz Hamburg-Ost: „Rampe bei ‘Fix & Fertig’ ist voll, sagt der Lappe. Und kein Parkplatz in Sicht, nicht mal für ‘nen Bollerwagen. Was mach ich jetzt mit den 24 Paletten Tiefkühl-Mohnkuchen?“ Mike weiß, die Rampe war vor zwei Stunden schon „gleich frei“. Er schielt auf die Uhr. Das Zeitfenster schließt in dreißig Minuten. Standgeld? Palettenkonto? Eine Lachnummer, wenn die Ware nicht mal vom LKW kommt.
Zitat des Tages
„Wenn der Kunde sagt, er versteht Ihre Situation, dann meint er: ‚Ich verstehe, dass Sie teurer werden wollen, aber ich zahle es trotzdem nicht.'“
Horst findet nach weiteren 45 Minuten Irrfahrt endlich einen notdürftigen Seitenstreifen, nur um festzustellen, dass seine Lenkzeit bald überschritten ist und die Werkstatt ihn am nächsten Tag wegen eines „dringenden, aber nicht kritischen“ Kabelbruchs erwartet. Ein Kabelbruch, der vom Monteur schon vor drei Wochen als „könnte bald mal kommen“ deklariert wurde und jetzt plötzlich die gesamte Tourenplanung der Woche sabotiert. „Ersatzfahrer?“, fragt Mike ins Büro, wissend, dass das Team seit Monaten unterbesetzt ist. Die Antwort ist ein kollektives Schulterzucken der leeren Stühle, die einst von Fahrern besetzt waren.
Herr Krummfuß blickt aus seinem Fenster auf den Hof, wo ein LKW steht, der eigentlich in Chemnitz sein sollte, aber wegen einer Krankmeldung und mangels Alternative jetzt hier die Sonne genießt. Die Leerkilometer der letzten Nacht, um diesen einen Kunden zu bedienen, der „dringendst“ einen Karton Schrauben brauchte, der dann aber erst nach drei Stunden Warten verladen wurde – ein Stich ins Herz jedes Betriebswirts. Die Mautkosten steigen wie die Inflation, der Frachtsatz seit Jahren im Tiefschlaf. Wie das früher ging? Herr Krummfuß weiß es nicht mehr, er war damals noch jung und glaubte an faire Preise.
Im Dispo ist Mike derweil zum professionellen Telefonhörer-Jongleur mutiert. „Ja, der Fahrer ist auf dem Weg, aber die Rampe ist noch belegt. Ja, wir wissen, dass die Ware heute ankommen muss. Nein, wir können keine Wunder wirken. Der Mohnkuchen? Wartet. Der Kabelbruch? Muss sein. Die Palette? Ist auf dem Konto. Aber wo, das weiß niemand.“ Er schließt die Augen und atmet tief durch. Vier Leerfahrten diese Woche, weil Kunden kurzfristig stornierten oder die Ware einfach nicht bereit war. Doch die Rechnung für den Diesel kommt pünktlich. Und die Maut fordert ihren Tribut, ob der LKW voll ist oder nicht.
Herr Krummfuß beendet das Telefonat mit Frau Sparfuchs, die ihm noch versichert hat, dass sie seine Lage „durchaus nachvollziehen“ kann, aber „die Geschäftsleitung da keinen Spielraum lässt“. Das ist das Übliche. Am Ende des Tages bleiben die Zahlen gnadenlos. Die Margen so dünn wie das Haar auf Herrn Krummfuß‘ Kopf, die Nerven blank, die Realität brutal. Und doch wird morgen früh wieder der Motor gestartet. Aus Gewohnheit. Und vielleicht ein bisschen aus der Hoffnung, dass irgendwann jemand die Zahlen doch versteht.
Branchenfazit
In der Spedition ist der Kunde König – solange er nicht nach dem Portemonnaie greifen muss. Dann wird er zum ahnungslosen Untertan der Preisentwicklung.
Fazit, unromantisch ehrlich: Die Kosten steigen, die Anforderungen auch, die Preise nicht. Wer in der Spedition überleben will, muss nicht nur rechnen, sondern vor allem ein Meister der Selbstverleugnung und des trockenen Humors sein. Und immer genug Kaffee im Büro haben.
Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.