Digital-Cockpit: Brummifahrer sucht verzweifelt den alten Drehknopf!

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Einsteigen, losfahren, fertig? Von wegen! Der neue High-Tech-Lkw im Fuhrpark hat keine Knöpfe mehr, dafür aber fünf Displays. Fahrer Didi sucht um 05:30 Uhr morgens eigentlich nur die Heizung – und scheitert am Untermenü.

Deutschland • transportzentrum.de Redaktion

05:30 Uhr auf dem Hof der Spedition Schnell-Logistik. Es ist November, nasskalt und Didi Kowalski (58) hat miese Laune. Vor ihm steht der Stolz des Chefs: Ein nagelneuer Sattelzug frisch vom Händler. Kein einziger Schalter im Cockpit, alles glatt, alles digital. „Dein persönliches Wohlfühl-Profil ist schon auf der Fahrerkarte hinterlegt, Didi!“, hatte Disponentin Svenja gestern noch geschwärmt.

Didi steigt ein. Die Kabine riecht nach neuem Kunststoff und IT-Abteilung. Er schiebt seine Karte in den Schlitz. Die Displays erwachen zum Leben. Auf dem riesigen Zentralbildschirm flackert eine freundliche Begrüßung: „Willkommen, Dieter Kowalski. System startet.“ Dann passiert erst mal nichts. Das System lädt. Didi wartet, die Hände tief in den Jackentaschen vergraben. Es zieht gewaltig.

Zitat des Tages

„Ich will mit der Kiste nicht chatten, ich will nach Bottrop!“

Der Sitz wandert, die Heizung schweigt

Nach gefühlten fünf Minuten reagiert die Technik. Der Fahrersitz surrt wie von Geisterhand los. Er fährt nach hinten, die Rückenlehne neigt sich, die Lendenwirbelstütze pumpt sich auf. Soweit, so komfortabel. Doch Didis Atem kondensiert bereits als kleine Wölkchen an der eiskalten Windschutzscheibe. Er sieht absolut gar nichts. Er braucht dringend warme Luft auf dem Glas.

Didis rechte Hand tastet gewohnt souverän nach rechts unten. Da, wo seit 35 Jahren im Lkw der griffige, dicke Plastik-Drehknopf für das Gebläse saß. Doch da ist nichts mehr. Nur eine spiegelglatte Oberfläche aus schwarzem Klavierlack. Seine Finger greifen voll ins Leere. Stattdessen leuchtet im Cockpit der Touchscreen. „Heizung“, grummelt Didi und tippt mit dem Zeigefinger auf das Display. Nichts geschieht. Ach ja, die dicken Arbeitshandschuhe müssen aus. Mit klammen Fingern versucht er es erneut.

Gefangen im Untermenü bei romantischem Licht

Er landet im Menü „Fahrzeug-Einstellungen“. Ein Tippen auf „Komfort“ bringt ihn zu den Massage-Optionen des Fahrersitzes. Falsch. Ein Wisch nach links öffnet das Navigationssystem. Auch falsch. Um 05:45 Uhr vibriert das Diensthandy. Svenja aus der Dispo ist in der Leitung. „Didi, warum stehst du noch auf dem Hof? Dein Zeitfenster im Zentrallager ist um sieben!“, flötet es aus dem Lautsprecher.

„Ich würde ja losfahren, Svenja, aber ich bin im Untermenü für die Fußraumtemperierung gefangen und finde den Ausgang nicht“, entgegnet Didi mit frostiger Stimme. Svenja seufzt hörbar. „Drück das Home-Symbol, dann auf Klima, dann oben rechts auf das Scheiben-Icon!“ Didi drückt. Weil seine Finger kalt sind, rutscht er ab. Plötzlich erstrahlt die Kabine in einem tiefen Violett. Das Ambientelicht hat sich aktiviert, zeitgleich spielt das Infotainment-System sanften Jazz.

Nach weiteren drei Minuten hektischen Wischens erlöst ihn ein lautes Fauchen: Das Gebläse läuft auf Hochtouren. Die Scheibe wird frei. Didi ist schweißgebadet, obwohl es in der Kabine erst zwölf Grad hat. Mit violettem Discolicht, dröhnendem Gebläse und fünfzehn Minuten Verspätung rollt er endlich vom Hof. Der Sitz passt perfekt, aber sein Puls ist auf der Autobahn.

Branchenfazit

Die Digitalisierung erleichtert vieles, solange man für die Warmluftdüsen kein Informatikstudium braucht.

Fazit, unromantisch ehrlich: Die moderne Technik speichert zwar jeden Bandscheibenvorfall im Benutzerprofil, scheitert im harten Speditionsalltag aber am ersten Frost. Der erfahrene Fahrer wünscht sich am Ende eben keinen Touchscreen, sondern einfach nur einen fetten Drehknopf, den man auch mit Handschuhen bedienen kann.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.