Abkürzungs-Wahnsinn: Lkw-Fahrer beleidigt Kreisel nach Länder-Trip!

DISPO & WAHNSINN

Als Disponent Kevin dachte, er hätte den Heiligen Gral der Routenplanung gefunden, ahnte Fahrer Horst noch nicht, dass seine Tour zum Lehrstück für den Wahnsinn der Branche werden würde.

Deutschland • transportzentrum.de Redaktion

Es begann wie immer: Der Vertrieb rief an. Kunde Turbodruck in Ödland bei Hintertupfingen brauchte „dringend! Sofort!“ ein unverzichtbares Ersatzteil. Die Maschine stand, die Welt ging unter, und eine Zustellung bis 14 Uhr war vertriebsseitig natürlich längst zugesagt. Disponent Kevin von der Spedition FixundFertig spürte den Puls vor dem Montagskaffee schon bei 180.

Kevin drehte am Tourenplan. Fahrer Horst war mit seinem 40-Tonner gerade auf Leertour aus der Region zurück. „Perfekt! Da liegt doch diese Abkürzung!“, jubelte Kevin in sein Headset, als er eine dünne Linie auf der Karte entdeckte. „Nur ein kurzer Schlenker, über zwei Bundesländer weniger, dann ist das Ding erledigt, Horst. Das System zeigt eine Riesenersparnis!“ Für Kevin klang das nach erweitertem Nahbereich.

Zitat des Tages

„Abkürzung? Kevin, letztes Mal, als du Abkürzung gesagt hast, hab ich im Elsass getankt und bin durch einen Fluss gefahren!“

Der Plan steht — bis jemand nachrechnet

Horst seufzte. Er kannte Kevins Abkürzungen. Er bekam die neuen Tourdaten: Start in Pampa-Ost, über Schnellweg-West und Fernroute-Süd nach Ödland. „Moment mal“, murmelte Horst, „das sind ja drei Bundesländer! Und diese Abkürzung ist doch die Hölle. Da fahr ich doch normalerweise einen Riesenbogen drum herum.“ Er sah schon die Vollsperrungen vor seinem inneren Auge aufblitzen.

Horst rief Kevin an. „Kevin, das ist keine Abkürzung, das ist ein Roadtrip für Leute, die zu viel Zeit haben! Und mein GPS kennt die nicht mal als Straße!“ Kevin blieb stoisch: „Horst, unser System zeigt optimale Strecke! Das sind nur ein paar Kilometer mehr, dafür sparst du dir den großen Bogen. Und der Kunde hat ja wirklich Druck. Der Chef hat persönlich draufgeschaut und meinte: ‚Da ist noch Luft!'“

Dann meldet sich die Realität

Horst fuhr. Durchs erste Bundesland lief es überraschend gut. Kaum im zweiten, direkt die erste Vollsperrung. „Umleitung über Klein-Krähennest“, ein Dorf, dessen Straßenschilder scheinbar seit der Kreidezeit nicht mehr erneuert wurden. Dann, im dritten Bundesland, nach einer Stunde zähen Staus, die zweite Baustelle. „Fahrbahnverengung, nur eine Spur frei.“ Kurz darauf, die obligatorische Schwerverkehrskontrolle an der Landesgrenze – die Waage. 20 Minuten Wartezeit, um dann durchgewunken zu werden. Und dann, kurz vor dem Ziel, DER Kreisverkehr.

Vier Spuren, drei Ausfahrten, alle im 90-Grad-Winkel, aber kein 40-Tonner kam durch, ohne sich dreimal neu zu positionieren und dabei sämtliche Verkehrsregeln verbal neu auszulegen. Horst fluchte laut: „Du scheiß Kreisverkehr! Hast du schon mal einen LKW gesehen, du asoziales Stück Asphalt?!“ Ankunft beim Kunden Turbodruck: 17:30 Uhr. Die Rampe war natürlich „gleich frei“, was nach einer weiteren Stunde Warten 18:45 Uhr bedeutete.

Branchenfazit

Was auf dem Navi als optimale Abkürzung erscheint, ist in der Realität oft der direkte Weg in den Lenkzeit-Burnout. Und der Kreisverkehr hat noch niemandem wehgetan, außer dem Fahrer.

Fazit, unromantisch ehrlich: So entstehen Legenden in der Speditionsbranche. Der Vertrieb verspricht den Mond, die Dispo backt daraus einen Pfannkuchen, der Chef wundert sich über die Zutaten und der Fahrer muss ihn mit Zähnen und Klauen runterwürgen. Am Ende rief Kevin noch an: „Horst, super, dass du es noch geschafft hast! Die Rückladung liegt direkt um die Ecke, in Entenhausen-Nord. Kannst du noch machen?“ Entenhausen-Nord entpuppte sich als 180 km in die entgegengesetzte Richtung, direkt an die Lenkzeitgrenze. Am Ende wird aus einer einfachen „Abkürzung“ eine Odyssee, die sich nicht nur in den Nerven des Fahrers, sondern auch in den Kosten niederschlägt. Aber hey, der Kunde hatte seine Ware „pünktlich“. Irgendwie.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.