LKW-Montag-Horror: Tourenplan nur noch Hoffnung!

DISPO & WAHNSINN

Ein normaler Montag in der Spedition „Zur letzten Meile“: Drei Krankmeldungen, zwei Werkstattfälle und fünf Kunden, die alle gleichzeitig „dringend“ rufen. Der Tourenplan? Nur noch ein Gerücht im Datendschungel.

Deutschland • transportzentrum.de Redaktion

Es war 6:30 Uhr. Der Kaffee schmeckte nach Blech, der Outlook-Kalender schrie nach Panik. Drei Krankmeldungen flimmerten über den Bildschirm, zwei Fahrzeuge standen auf „rot“ in der Werkstatt-App. Fünf Kundenanrufe blinkten auf der Telefonanlage und versprachen nichts Gutes. Disponent Kevin, Meister der Improvisation bei „Zur letzten Meile“, blickte auf seinen Tourenplan. „Ein Meisterwerk der Hoffnung“, murmelte er, denn die Realität hatte schon vor Betriebsbeginn die ersten dicken Rotstifte gezückt.

Mitten im ersten Anruf-Tsunami – „Kunde Stahlbiege AG“ wollte wissen, wo seine Palette sei, die gestern Abend „spontan dringend“ avisiert wurde – kam der nächste Schlag. Der Vertrieb schickte eine E-Mail: „Sonderfahrt für Neukunde ‘Blitz-Lieferung Express’ – Zustellung heute bis 12 Uhr in Hintertupfing, am besten schon bis 10. Unser Herr Maier hat das so zugesagt.“ Kevin warf einen Blick auf Hintertupfing. Das lag jenseits von gut und böse, locker 300 Kilometer entfernt vom Hof, mitten im Feierabendverkehr der letzten Nacht. Doch der Chef hatte ja immer gesagt: „Wir kriegen das hin! Es ist ja Neukunde.“

Zitat des Tages

„Chef, wenn Sie im Tourenplan Pausen als freie Zeit sehen, haben Sie den Beruf verfehlt. Das ist der Moment, wo Fahrer Mensch sind, keine Roboter!“

Der Plan steht — bis jemand nachrechnet

Kevin jonglierte. Fahrer Bernd, der eigentlich einen Großteil des krankheitsbedingten Nahverkehrs abfangen sollte, war noch der einzige, der halbwegs Lenkzeit hatte. „Bernd, kleiner Umweg für dich. Blitz-Lieferung Express in Hintertupfing. Bis 12 Uhr. Danach die zwei Paletten in der Fußgängerzone.“ Bernd schnaubte ins Telefon. „Kleiner Umweg? Der Sprinter für die Fußgängerzone ist doch auch krank! Und mein Vierzigtonner passt da nicht rein, nicht mal um 4 Uhr morgens! Außerdem: 12 Uhr in Hintertupfing? Das sind zwei Stunden über der Lenkzeit.“ Kevin murmelte etwas von „Flexibilität“ und „Vertriebsversprechen“.

Während Kevin mit Bernd verhandelte, meldete sich Chef Meier. „Kevin, ich sehe im System noch genug Kapazität. Die Tour für die Stahlbiege AG ist ja schon gestern raus, das passt doch. Und Bernd hat nach dem Ausladen noch Puffer, die er für die Neukundenfahrt nutzen kann. Ist ja nur ‚erweiterter Nahbereich‘.“ Kevin versuchte zu erklären, dass „erweiterter Nahbereich“ kein physikalischer Zustand sei, sondern ein Wunschgedanke des Vertriebs, der sich nicht um Stau, Rampenzeiten oder kaputte LKWs scherte. Die vier anderen Kundenanrufe warteten geduldig, aber mit zunehmendem Klingeln, auf ihre Abfertigung.

Dann meldet sich die Realität

Die Rampe der Stahlbiege AG, bei der Bernd längst hätte entladen sein sollen, meldete sich. „Ist gleich frei bei uns, Herr Disponent. Seit zwei Stunden.“ Bernd schickte ein Foto vom überfüllten Hof, seine Lenkzeit zerrann wie Sand. Parallel rief Blitz-Lieferung Express an. „Wir brauchen die Avisierung! Keiner hat sich gemeldet! Unser Herr Maier hat gesagt, das ist ein Premium-Service!“ Kevin versuchte, den Empfänger zu erreichen, doch die Nummer war permanent besetzt. Die versprochene Rückladung für Bernd? „Ach, die liegt doch noch nicht bereit. Wird wohl erst nächste Woche.“ Der Vertrieb hatte sie gestern als „hundertprozentig sicher“ verkauft.

Kevin sah den Tourenplan nun nicht mehr als Hoffnung, sondern als schwarzes Loch, das alles Positive verschluckte. Bernd, am Ende seiner Lenkzeit und Nerven, musste die Blitz-Lieferung abbrechen, um nicht gegen Vorschriften zu verstoßen. Die Stahlbiege-Palette, die „spontan dringend“ war, wurde letztlich mit Verspätung zugestellt, weil der Fahrer einen „kleinen Umweg“ für eine andere „dringende“ Lieferung machen musste, die nur deshalb dringend war, weil der Vertrieb auch hier die Realität schöngeredet hatte. Die beiden Werkstattfälle? Einer brauchte nur einen neuen Scheibenwischer, der andere ein komplett neues Getriebe. Montag halt.

Branchenfazit

In der Spedition „Zur letzten Meile“ beginnt der Wahnsinn nicht mit dem Aufstehen, sondern mit dem ersten Telefonklingeln.

Fazit, unromantisch ehrlich: Am Ende des Tages stand fest: Die Blitz-Lieferung Express wurde zum Fiasko, die Stahlbiege AG drohte mit Konsequenzen, und Bernds Lenkzeit wurde so „optimiert“, dass er nur noch auf dem Zahnfleisch kroch. Doch Chef Meier hatte noch eine gute Nachricht: „Kevin, ein Neukunde hat gerade eine Anfrage geschickt! Lieferung bis morgen früh, ist auch ganz dringend!“

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire.